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Waldbrand-Forscher: "Es wird sogar noch mehr Brände geben"

Miguel Castillo Soto forscht am Laboratorium für Waldbrände der Universidad de Chile. Foto: Miguel Castillo Soto.
Miguel Castillo Soto forscht am Laboratorium für Waldbrände der Universidad de Chile. Foto: Miguel Castillo Soto.

Die Regierung schließt Brandstiftung nicht aus, 43 Personen wurden verhaftet. Miguel Castillo Soto, Forscher des Laboratoriums für Waldbrände der Universidad de Chile, spricht mit uns über die vielfältigen Hintergründe der Waldbrände.

Wie wurden die Waldbrände verursacht?

Miguel Castillo Soto: In Chile sind fast alle Waldbrände eine Folge menschlichen Handelns. Dabei muss man unterscheiden zwischen unverantwortlichem oder unachtsamem Handeln und vorsätzlichem Handeln, also Brandstiftung - einer Straftat. Ich vermeide es, in dieser Waldbrandsaison von unachtsamem Handeln zu sprechen. Meiner Erfahrung nach würde ich sagen, dass die letzten Brände auch wenn es gerade untersucht wird und noch nichts bewiesen ist auf vorsätzliches Handeln zurückzuführen sind.

Vorsätzliches Handeln von wem?

Es könnte sein, dass es Menschen waren, die einfach einen Brand legen wollten. Es gibt Thesen, die besagen, dass es sich um die Rache einiger Forstunternehmen handeln könnte. Eine andere These besagt, dass es organisierte Gruppe waren. In der Region O’Higgins soll einer der großen Brände von maroden Stromleitungen verursacht worden sein, die Funken abgaben und so das trockene Gras und Laub entzündeten. Aber all das wird gerade untersucht und ist noch nicht bewiesen.

Welche Folgen hatten die Bände?

Ich muss zum Kontext sagen, dass die Anzahl der Brände in Chile in den letzten Jahren konstant geblieben ist. Jedes Jahr gibt es in Chile etwa 6.200 Brände. Und die zerstörte Oberfläche beträgt durchschnittlich etwa 63.000 Hektar.

In diesem Jahr ist die Anzahl der Brände nur um 12 Prozent angestiegen, aber die zerstörte Oberfläche hat sich enorm vergrößert. Im Moment sprechen wir von 600.000 Hektar verbrannter Oberfläche. Es gab enorme Umweltschäden. Ein großer Teil der einheimischen Wälder sind betroffen, die gemischt waren mit Plantagen und landwirtschaftlichem Anbau.

Eine weitere Folge ist der Verlust von Arbeitsplätzen. Viele Menschen wurden von den Unternehmen entlassen, deren Plantagen abgebrannt sind. Es gibt Schäden für Flora und Fauna, vor allem für die einheimische Vegetation. In Chile gibt es zwei große Unternehmensgruppen, die einen großen Teil ihrer Plantagen verloren haben. Es gibt also wirtschaftliche Verluste, Umweltverluste und soziale Verluste. Wenn wir diese Verluste in Dollar messen, dann handelt es sich um einen Verlust von mehr als 300 Millionen US-Dollar.

Warum gibt es in Chile so viele Brände?

Das liegt an verschiedenen Faktoren. Der wichtigste Faktor ist der Klimawandel. In den letzten Jahren ist die Vegetation viel trockener geworden, weshalb sie schnell Feuer fängt und das Feuer sich leichter verbreitet. In diesem Jahr kamen noch die meteorologischen Bedingungen hinzu, die die Verbreitung des Feuers begünstigt haben.

Wie kann man die Brände in Zukunft verhindern?

Man wird die Brände niemals verhindern können. Es wird sogar noch mehr Brände in den nächsten Jahren geben. Was wir machen müssen, ist den Verlust zu verringern. Es wird sehr wenig Geld in die Forschung investiert. Die Nationale Forstbehörde (CONAF) ist das einzige Forschungszentrum, das Waldbrände untersucht und besteht aus drei Forschern. CONAF muss sich modernisieren und es muss mehr Geld in Präventionskampagnen investiert werden.

Der chilenische Staat hat den Anbau von Monokulturen von Kiefer und Eukalyptus subventioniert. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Monokulturen und den Bränden?

Ja, aber das hängt von den Bedingungen ab: Kiefer und Eukalyptus sind nicht brennbar. Deshalb ist das Thema hier nicht die Spezies der Pflanzen an sich, sondern die Art und Weise wie diese angebaut werden - in Monokulturen.

Einige Spezialisten schlagen vor, eine Heterogenität in der Landschaft zu fördern, also eine Mischung aus einheimischem Wald, landwirtschaftlichem Anbau, städtischer Nutzung und so weiter. So kann sich das Feuer im Fall eines Brandes nicht so leicht ausbreiten. Aber solche Vorhaben gibt es in Chile bisher nicht. Wenn wir eine landwirtschaftliche Heterogenität erreichen, können wir die Anzahl der Brände verringern. Es gibt auch einen kulturellen Aspekt, den das Land ändern muss, nämlich die Wertschätzung der Natur. In Chile gibt es da ein Bildungsproblem. Viele Menschen werfen Müll auf die Straße, machen Lagerfeuer, ohne die Umwelt zu respektieren. Das wirkt sich auch auf die Brände aus.

Wenn der ausschlaggebende Faktor der Klimawandel ist, dann müssen wir den Klimawandel bekämpfen...

Den Klimawandel kann man nicht bekämpfen. Hier in der südlichen Hemisphäre ist er für immer installiert. Es gibt Faktoren, die die chilenische Regierung beeinflussen kann und andere eben nicht zu Letzteren gehört der Klimawandel.

Was die Regierung beeinflussen kann, sind Politik und Gesetze. Das heißt, mehr Geld in Forschung, Prävention und Bekämpfung der Brände investieren, die Nationale Forstbehörde CONAF modernisieren und Bildungsprogramme zum Naturschutz fördern.

Das Interview führte Sophia Boddenberg.