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Waldbrände in Amazonien sorgen weltweit für Besorgnis 

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Brandrodung in Roraima, Brasilien. Foto (Archivbild): Adveniat/Jürgen Escher

Kirchenvertreter und Politiker äußern sich mit großer Sorge über die Waldbrände in der Amazonasregion. Papst Franziskus rief nach seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz am Sonntag, 25. August 2019, dazu auf, die Brände im Regenwald so schnell wie möglich einzudämmen. "Lasst uns dafür beten, dass sie mit vereinten Kräften schnellstmöglich gebändigt werden", sagte das Kirchenoberhaupt. Der Regenwald als grüne Lunge sei "lebensnötig für unseren Planeten", so Franziskus.

Adveniat: Deutschland macht sich mitschuldig

„Deutschland und die Europäische Union machen sich mit ihrer Unterschrift unter das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten an den verheerenden Waldbränden mitschuldig.“ Das sagt der Brasilien-Referent des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat Klemens Paffhausen. „Die versprochenen niedrigeren Zölle auf Importe von Rindfleisch und Soja aus Südamerika führen zu mehr Abholzung und mehr Anbauflächen.“

Der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler erinnerte an die von der Zerstörung betroffenen indianischen Ureinwohner der Region. "Für die Indios ist dieses Gebiet das Land ihres Überlebens, das Land ihrer Mythen, ihrer Riten, das Land für das Leben", so der emeritierte Bischof der brasilianischen Diözese Xingu in einem Video der "Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag" (Online). Regierung und "neokapitalistische Gesellschaft" sähen das Land dagegen nur unter dem Aspekt "Kaufen und Verkaufen". "Es gibt also Land zum Leben und Land als Ware. Da prallen die Dinge aufeinander."

Kardinal Hummes fordert Wandel der Entwicklungsmodelle

Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes forderte angesichts der Brände einen dringenden Wandel der Entwicklungsmodelle. Bisher herrschten in Amazonien wirtschaftliche und private Interessen vor, die einer "Neuauflage des Kolonialismus" gleichkämen, heißt es in einem Artikel des Kurienkardinals für die vatikanische Zeitung "Osservatore Romano" (Samstag). Wenn sich daran nichts ändere, "wird die ganze Region zerstört werden, mit all den verheerenden Folgen, die schon absehbar sind", so Hummes.

Im Vatikan tagt im Oktober eine Sondersynode zu Amazonien. Bei dem Bischofstreffen vom 6. bis 27. Oktober soll es neben Theologie und Seelsorge auch um Umweltschutz sowie um die Belange der Indigenen und um Menschenrechte gehen.

Die Amazonas-Waldbrände sind die schwersten seit Jahren. Neben Brasilien spitzte sich auch in Bolivien die Situation zu. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro kündigte unterdessen ein hartes Vorgehen gegen Brandstifter an und beorderte zehntausende Soldaten zu Löscharbeiten in die Katastrophengebiete.

G7-Staaten sichern Hilfe zu

Derweil kündigte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron beim G7-Gipfel in Biarritz am Sonntag Hilfen für die betroffenen Länder an. Die Regierungschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), vereinbarten demnach "technische und finanzielle" Unterstützung zur Löschung der Brände und zur Wiederaufforstung der vernichteten Waldflächen. Dies sei im Kampf gegen den Klimawandel eine internationale Herausforderung, so Macron.

Hilfe für die Amazonas-Völker
Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat setzt sich für das Überleben der indigenen Völker ein. Ein Beispiel ist Menschenrechtsarbeit: „Indigene lernen, welche Rechte sie haben und wie sie diese einklagen können“, erläutert Adveniat-Referent Paffhausen.