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Wahrheitskommission will 44 Selbstmorde überprüfen

Die Wahrheitskommission in Brasilien will nach lokalen Medienberichten insgesamt 44 bislang als Selbstmord gemeldete Fälle aus der Zeit der Militärdiktatur (1964 bis 1985) neu untersuchen. Zu den Fällen gehört auch der umstrittene Selbstmord des politischen Aktivisten Luiz Eurico Tejera Lisboa, der 1972 in Sao Paulo mit einer Kugel im Kopf tot aufgefunden wurde. Die ermittelnden Behörden nannten damals Selbstmord als Todesursache. Kommissionsmitglied Claudio Fonteles sagte gegenüber Journalisten: "Sie haben ihn ermordet. Er hat sich nicht selbst umgebracht." Um die Todesumstände genau zu klären, will die Wahrheitskommission neue Ermittlungstechniken anwenden, die einen klaren Rückschluss auf die Todesursache ermöglichen.

Die Kommission war im Mai 2012 durch den Kongress eingesetzt worden. In ihrem ersten Jahr führte sie 268 Anhörungen durch. In ihrem ersten Zwischenbericht wirft die Kommission der Marine vor, die Ermordung von elf Oppositionellen bislang verschleiert zu haben. Zudem stellt sie fest, Folter und Gewalt hätten bereits mit dem Putsch 1964 begonnen und nicht erst nach der Formierung einer bewaffneten Opposition 1968, wie die Militärs stets behaupteten. Die Wahrheitskommission soll ihren Abschlussbericht bis Ende 2014 vorlegen. (tk)