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Wahrheitskommission untersucht Rolle der Kirchen

Brasiliens Wahrheitskommission untersucht ab Donnerstag die Rolle der Kirchen während der Diktaturzeit (1964-1985). Das berichtet die Zeitung "Folha de S. Paulo" am Dienstag, 6. November. Die seit Mai tagende Kommission prüft Menschenrechtsverstöße aus der Zeit von 1946 bis 1988; der Schwerpunkt liegt auf den 20 Jahren der Militärdiktatur.

Die nun eigens einberufene Arbeitsgruppe hat laut dem Bericht zum einen die Beteiligung der Kirche beim Widerstand gegen die Diktatur zum Thema. So soll untersuchte werden, wer Opfer des Regimes unterstützte, sie vor den Militärs versteckte oder ihnen zur Flucht verhalf. Ebenso wolle die Gruppe aber auch Kirchenvertreter ermitteln, die mit den Militärs kollaborierten. Geleitet wird die Gruppe von Paulo Sergio Pinheiro, einem der sieben Mitglieder der Wahrheitskommission. Zudem sollen unabhängige Wissenschaftler und Theologen geladen werden.

Zuerst soll laut der Zeitung der Fall des Menschenrechtsaktivisten Anivaldo Pereira Padilha untersucht werden, der von den Militärs gefoltert wurde und über Jahre im Exil lebte. Er ist der Vater des derzeitigen Gesundheitsministers Alexandre Padilha.

Die Wahrheitskommission, die ihren Untersuchungsbericht 2014 vorlegen soll, hat keine strafrechtlichen Befugnisse. Sie dient nach Worten von Staatspräsidentin Dilma Rousseff lediglich der Aufarbeitung und Offenlegung der historischen Tatsachen. Rousseff selbst wurde in den 1970er Jahren über Jahre von den Militärs in Haft gehalten und auch gefoltert.

Quelle: KNA