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Wahrheitskommission findet Spur zu Geheimarchiv

Brasiliens Wahrheitskommission zur Untersuchung von Menschenrechtsvergehen in den Jahren 1946 bis 1988 ist womöglich einem bislang unbekannten Geheimarchiv der Militärs auf die Spur gekommen. Wie die brasilianische Presse berichtet, sollen bis zu 1,2 Millionen Dokumente auf Mikrofilm kopiert worden sein. Dies sei aus einem nun von der Kommission entdeckten Schriftverkehr militärischer Dienststellen aus den 70er Jahren ersichtlich. Sollte das Archiv gefunden werden, könnten mutmaßlich zahlreiche ungeklärte Menschenrechtsvergehen aus den Anfangsjahren der Diktatur aufgeklärt werden.

Unter dem Decknamen "Neptun" sollen Dienststellen zwischen 1972 und 1974 als vertraulich, offiziell, geheim und streng geheim klassifizierte Dokumente abfotografiert haben. Ein Aktenvermerk aus dieser Zeit rät zu einer "Lagerung der Filme in Rio de Janeiro oder Brasilia". Die Kopien sollten "als Beweise in Prozessen oder außergerichtlichen Angelegenheiten" dienen. Das Geheimarchiv sei in zehn Themen unterteilt, darunter "Tote", "Agenten" und "Operationen".

Das "Neptun"-Programm soll mit Hilfe der USA durchgeführt worden sein. So sollen den Angaben zufolge fotografische Apparate dort erworben worden und das durchführende Personal in der Nationalbibliothek in Washington geschult worden sein. Brasiliens Militär verneinte unterdessen die Existenz eines solchen Archivs. Man habe keinerlei Kenntnis einer "Operation Neptun".

Die brasilianische Wahrheitskommission war im Mai 2012 von Staatspräsidentin Dilma Rousseff eingesetzt worden. Bis Ende 2014 soll sie ihren Abschlussbericht vorlegen. Schwerpunkt der Kommissionsarbeit ist die Zeit der Militärdiktatur (1964-1985). Ihre "blutigste" Phase erlebte sie zwischen 1968 und der Mitte der 70er Jahre.

Quelle: KNA