Honduras |

Wahlgericht erklärt Sieger

Der oberste Wahlleiter hatte die Resultate in einer landesweiten Schaltung auf allen TV-Stationen und Radios verkündet. Erste TSE-Prognosen hatten den konservativen Politiker der Nationalpartei (PN) bereits wenige Stunden nach dem Urnengang vorne gesehen. Hernández hat sich dem amtlichen Endergebnis zufolge mit 36,8 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen seine direkte Konkurrentin Xiomara Castro von der sozialdemokratischen Libre-Partei durchgesetzt.

Diese sei auf insgesamt 28,79 Prozent der insgesamt 3,232,266 Voten gekommen, informiert die TSE-Webseite. Allerdings gab das Wahlgericht am Wochenende weder die Wahlbeteiligung noch die Zahl der ausgewerteten Stimmen bekannt, informierte "La Prensa". Allerdings sei die Wahlbeteiligung so hoch wie nie gewesen, auch habe es sich um die "am meisten beobachtesten Wahlen in der Geschichte Honduras" gehandelt, so der Wahlleiter. Die Opposition unter Xiomara Castro, Frau des 2009 gestürzten Ex-Präsidenten Manuel Zelaya, forderte zu Wochenbeginn die Neuauszählung aller Stimmen.

Geklauter Sieg?

Ihr sei der "Sieg geraubt worden", so die Linkspolitikerin. Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gibt ein Bericht einer hundertköpfigen Wahlbeobachterkommission der Europäischen Union. Der Wahlkampf sei von "exzessiven Ausgaben" der machthabenden Parteien geprägt gewesen, die Präsenz in Medien und auf Plakaten habe zu einem "großen Ungleichgewicht" zugunsten der Nationalpartei und Liberalen Partei geführt, die zudem öffentliche Gelder eingesetzt hätten.

Wie keine andere Partei sei die Libre-Partei im Wahlkampf benachteiligt gewesen, von keiner anderen Partei seien Mitglieder so oft bedroht und getötet worden wie bei der Zweitplatzierten. Das Wahlregister sei in hohem Maße unzuverlässig, "es wurden keine systematischen Versuche einer Erneuerung unternommen, bei rund 30 Prozent aller Einträge handelt es sich um Verzogene oder Tote", so der Bericht. In anderen Fällen seien Lebendige als "verstorben" aus dem Wahlregister gestrichen worden. Bei so gut wie allen Fällen dokumentierter Scheinumzüge zwecks Manipulation von Ergebnissen "waren die Beteiligten von der Nationalpartei oder der Liberalen Partei". (bb)

Link zum Bericht der EU-Wahlbeobachterkommission (Spanisch)