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Wahl in El Salvador: "Die Menschen haben die Korruption satt"

El Salvador, Adveniat, Kardinal Gregorio Rosa Chávez, Inés Klissenbauer

Kardinal Gregorio Rosa Chávez, El Salvador, und Adveniat-Referentin Inés Klissenbauer in der Leipziger Liebfrauenkirche während des Katholikentags 2016. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

Die Mittelamerika-Referentin beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, Ines Klissenbauer, nannte das Wahlergebnis eine Abstrafung der 30 Jahre andauenden Vorherrschaft der linksgerichteten Regierungspartei FMLN und der rechtsgerichteten Arena-Partei. Es zeige den Verlust der Glaubwürdigkeit von Politik, "die Menschen haben die Korruption satt", so die Expertin am Montag in Essen. "Neben der spürbaren Begeisterung der jungen Menschen für Bukele habe ich bei unseren Gesprächspartnern sehr viel Skepsis erfahren", sagte Klissenbauer. "Unsere kirchlichen Partner und viele weitere soziale Organisationen befürchten, dass die Fortschritte im Menschenrechtsbereich unter Bukele nicht fortbestehen." Bukele trete zwar für soziale Gerechtigkeit ein, jedoch sei sein Regierungsprogramm in vielen Punkten nicht eindeutig. "Er will sich für wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung einsetzen und Arbeitsplätze schaffen – aber was er konkret vorhat, war vielen Menschen, mit denen ich gesprochen habe, nicht klar", so die Referentin, die laut Adveniat gerade aus El Salvador zurückkehrte. Link zum vollständigen Interview

Kardinal Rosa Chavez: Neoliberales Wirtschaftsmodell vergrößert die Armut

Der salvadorianische Kardinal Gregorio Rosa Chavez zeigte sich hoffnungsvoll für einen grundlegenden Wandel in seiner Heimat. Unabhängig vom konkreten Wahlausgang brauche es mehr Verlässlichkeit in der Politik, mahnte der Weihbischof von San Salvador am Sonntag, 3. Februar 2019 (Ortszeit). Ein großes Problem im Land sei die Integration von ehemaligen Mitgliedern der berüchtigten Mara-Jugendbanden, so der Kardinal. Derzeit lägen mehrere Gesetzentwürfe zur Abstimmung im Parlament - bislang gebe es für die Betreffenden keinen echten Schutz durch den Staat. Auch torpedierten Behörden und Sicherheitskräfte immer wieder die Bemühungen der Kirche, den Jugendlichen des Landes neue Perspektiven zu eröffnen. Chavez warnte zugleich vor einem blinden Glauben an die Macht der Wirtschaft. Das neoliberale Modell, das auch in Europa immer mehr Anhänger finde, trage letzten Endes dazu bei, die Armut in El Salvador noch zu vergrößern. Über solche grundsätzlichen Fragen hätten sich die salvadorianischen Politiker bislang viel zu wenig Gedanken gemacht.

Am Sonntag patrouillierten auf den Straßen der Hauptstadt vermehrt Polizisten und Soldaten. Laut Beobachtern war die Lage vergleichsweise entspannt. Bis zur Verkündung des Endergebnisses galt ein Alkoholverbot, um möglichen Konflikten vorzubeugen.

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