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Vor 43 Jahren - Der Hirtenbrief der Bischöfe Lateinamerikas an die Katholiken in Deutschland

In der Geschichte der Hirtenworte der deutschen Bischöfe zur Adveniat-Kollekte ragt das Hirtenwort zur Adveniat-Kollekte 1968 heraus. Denn die deutschen Bischöfe überlassen das Wort ihren lateinamerikanischen Mitbrüdern.
Im Oktober 1968 tagte der Consejo Episcopal Latinoamericano (CELAM) in Rio de Janeiro, die erste Zusammenkunft nach der bahnbrechenden Generalversammlung in Medellín vom 24. August bis zum 6. September 1968.
Am Ende der Tagung wandte sich der Präsident des CELAM von 1966 bis 1972, Dom Avelar Brandão Vilela, Erzbischof von Teresina (Brasilien), im Namen der 720 Bischöfe in Lateinamerika und der Karibik an die Katholiken in Deutschland:

An unsere Brüder und Schwestern der Kirche in Deutschland!
Heil und Frieden!
Wir haben die Ehre und die Freude, uns in einem Hirtenschreiben an die Katholi¬ken von Deutschland zu wenden, und zwar nicht nur im Namen der Kirche Latein¬ameri¬kas, sondern zugleich im Namen des deutschen Episkopates. … Zu den deutschen Katholiken im Namen des lateinamerikanischen Episkopates zu sprechen, bedeutet für uns eine schwierige Aufgabe und eine große Ehre. Die Einladung dazu ist ein Zeichen dafür, dass das Bewusstsein von der einen Kir¬che lebendig ist, einer Kirche, die in verschiedenen geographischen Gegenden lebt, unter verschiedenen soziologischen Bedingungen, die aber dennoch dieselben Sor¬gen und Erwartungen spürt. Es ist die praktizierte Lehre vom Corpus Christi My¬sticum. Es ist die Idee von der allgemeinen bischöflichen Kollegialität.

In diesem ausführlichen Hirtenbrief (kein Vergleich mit den eher knappen Aufrufen zur Adveniat-Kollekte in jüngerer Zeit) unterrichtet Dom Avelar die Katholiken in Deutschland über Themen und Anliegen der Generalversammlung in Medellín.
Am 24. Oktober 1968 unterzeichnete Dom Avelar den Hirtenbrief, tags darauf, am 25. Oktober 1968, wurde er der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) übermittelt.
Er ist in der Quellenedition „Dokumente der Deutschen Bischofskonferenz“, herausgegeben vom Sekretariat der DBK in Bd. 1 (1965-1968), S. 510-514, abgedruckt.

Michael Huhn