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Vom Hilfsempfänger zum Geberstaat

Brasilien kann sich mit seiner internationalen Entwicklungshilfe zwar nicht mit den Industriestaaten messen. Doch die Zuwendungen sind in den letzten acht Jahren beträchtlich gestiegen. Der ehemalige Hilfsempfänger hat sich in ein Geberland verwandelt.

Entwicklungshilfe verdoppelt

Zahlen der Brasilianischen Behörde für Zusammenarbeit (ABC) im Außenministerium belegen, dass die offizielle Entwicklungshilfe des südamerikanischen Landes zwischen 2007 und 2008 verdoppelt und zwischen 2009 und 2010 auf 50 Millionen US-Dollar verdreifacht werden konnte. Der Betrag sei zwar klein aber sehr wichtig, da er Maßnahmen und Programme in den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit, Regierungsführung und Bildung finanziere, die sich auch schon in Brasilien bewährt hätten, meinte der ABC-Direktor Marco Farani.

In seiner achtjährigen Amtszeit von 2003 bis 2011 hatte Brasiliens ehemaliger Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva die Stärkung der Süd-Süd-Kooperation vorangetrieben. Diese Politik wird von seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff fortgeführt, die ebenso wie Lula der linksgerichteten Arbeiterpartei angehört.

Siebtgrößte Wirtschaftsmacht

Farani zufolge betrachtete Lula die technische Zusammenarbeit als ein Instrument der Außenpolitik. Brasiliens Wechsel vom Empfänger- zum Geberland sei durch ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum möglich geworden. So ist das Land inzwischen zur siebtgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen.

Vor diesem Hintergrund hat das Welternährungsprogramm (WFP) beschlossen, ein Büro in Brasilien zu eröffnen. Mit der Durchführung der Aufgabe wurde der WFP-Interimsdirektor Gemmo Lodesani betraut und nach Brasilien entsandt. Vorgesehen ist, dass sich das Büro, das zu einem Exzellenzzentrum für Schulspeisungen und Ernährungssicherheit werden soll, in den ersten beiden Jahren aus einem Fonds des brasilianischen Bildungsministeriums finanziert. Lodesani zufolge steht es sinnbildlich für die neue internationale Entwicklungspolitik des südamerikanischen Landes.

Kooperation mit Welternährungsorganisation

Hinter dem Vorhaben steckt die Idee, die erfolgreichen Erfahrungen von WFP, das Schulspeisungsprogramme in 50 Ländern unterhält, und von Brasilien, das 47 Millionen Schulkindern mit einer warmen Mahlzeit versorgt, zu bündeln und in andere Länder zu exportieren. Wie der WFP-Chef gegenüber IPS erklärte, wurde UN-Ernährungsprogramm erstmals 2008 von Brasilien mit einer Million Dollar unterstützt. 2009 seien daraus dann schon 16 Millionen Dollar geworden. Für das laufende Jahr fasst Brasilien die Zahlung von 27 Millionen Dollar ins Auge.

Wie Rubens Barbosa vom Verband der Industrien von São Paulo (FIESP) betonte, haben Brasiliens Geldinstitute BNDES und Bank von Brasilien den Entwicklungsländern zudem Kredite in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar zwischen 2008 und dem ersten Quartal 2010 gewährt.

Anwärter auf Sitz im UN-Sicherheitsrat

Auch hat Brasilien seine Beiträge für die Andine Finanzkorporation (CAF), eine multilaterale Entwicklungsbank, auf 200 Millionen Dollar, und für den Strukturkonvergenzfonds der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft MERCOSUR auf 470 Millionen Dollar aufgestockt. Dem MERCOSUR gehören Argentinien, Brasilien, Paraguy und Uruguay an.

Wie Barbosa weiter betonte, ist Brasiliens internationale Entwicklungshilfe nicht allein darauf ausgerichtet, Menschen in Not beizustehen und Solidarität zu bekunden. Vielmehr gehe auch darum, internationales Ansehen zu erwerben und die Chancen Brasiliens auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erhöhen. Darüber hinaus sei die Hilfe ein Türöffner für brasilianische Unternehmen, die in anderen Teilen der Welt und insbesondere in China Fuß fassen wollten.

Autorin: Fabiana Frayssinet in IPS Weltblick