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Virtuelles Wasser im realen Spargel

Fünf Stunden dauert die Fahrt entlang der peruanischen Pazifikküste von der Hauptstadt Lima bis in die Stadt Ica. Fünf Stunden, in denen das Auge nur Wüste und Meer erblickt. In dieser Gegend regnet es nie. Dennoch ist das Tal des Ica-Flusses eines der fruchtbarsten Gegenden Perus. Von hier kommt der peruanische Wein und der noch bekanntere Traubenschnaps Pisco, das Nationalgetränk der Peruaner.

Einzige Gegend mit Vollbeschäftigung

Aus dem Ica-Tal kommt auch ein anderes Gemüse, das in Europa und den USA so gerne gegessen wird, dass es Peru den Titel eines Exportweltmeisters einbrachte: frischer Grünspargel. Ihm verdankt Ica die Ehre, die einzige Gegend Perus mit Vollbeschäftigung zu sein. Die intensive Grünspargelproduktion im Ica-Tal führt aber auch dazu, dass die Wasserquellen im Ica-Tal unwiderruflich versiegen. Dies hat die kürzlich veröffentlichte Studie „Drop by drop“ der britischen Entwicklungsorganisation „Progressio“ deutlich gemacht. Die Forscher fällen ein eindeutiges Urteil: Der intensive Spargelanbau in der peruanischen Wüste ist ökologisch nicht haltbar.

Nicht genehmigte Brunnen

Dich die Aussicht auf Arbeitsplätze und gute Exporterlöse haben trotz Wassermangel zu einer Ausweitung der Anbaufläche in Ica um ein Drittel geführt. Und mehr als einer hat die Augen davor verschlossen, dass Wasser im Ica-Tal immer schon ein knappes Gut war. Auch dort kommt das Wasser von oben, allerdings nicht vom Himmel, sondern aus den Anden. In den Monaten Januar bis Mai führt der Ica – Fluss und sein Kanal Regen- und Schmelzwasser aus den Anden an die Küste.

Da das Flusswasser für die Bewässerung der Felder nicht ausreichte, haben die Agrarproduzenten nicht genehmigte Brunnen gebaut, um Grundwasser für die Bewässerung hoch zu pumpen. Einige dieser Brunnen sind inzwischen bis zu 150 Meter tief.

Virtuelles Wasser

David Bayer ist ein pensionierter Agrarberater aus den USA. Er lebt in Ica und schreibt unermüdlich Briefe an Medien und Entwicklungsinstitutionen über die Wasserproblematik von Ica. Unter anderem auch an die International Finance Corporation der Weltbank, die die Investitionen in die Spargelindustrie im Ica-Tal mit öffentlichen Krediten unterstützt hat. David Bayer versteht nicht, dass in der Wüste von Ica gerade Spargel angebaut werden muss. „Spargel ist ein Gemüse mit sehr hohem Wasserverbrauch“, berichtet er. Das geben auch die Spargelproduzenten zu. „Wir exportieren nicht nur Spargel sondern auch virtuelles Wasser“, sagt Julio Aguije von der Vereinigung der Wassernutzer des Achirana-Kanals. Die Angaben, wieviel Wasser Spargel braucht, schwanken zwar leicht je nach Bewässerungsmethode, es ist jedoch unbestritten, dass der Anbau von Spargel wasserintensiver ist als derjenige von Tomaten, Weintrauben oder Baumwolle.

Verbraucher in der Pflicht

Was heißt dies nun für den deutschen Verbraucher ? Die Finger vom Spargel aus Peru lassen? Besser wäre beim Kauf peruanischen Spargels eine Zertifizierung zu fordern: nicht nur für gerechte Arbeitsbedingungen sondern auch für eine nachhaltige Wasserbilanz.
Oder auf eines der anderen schmackhaften Agrarprodukte aus Peru auszuweichen, die ebenfalls Arbeitsplätze schaffen, den Wasserhaushalt jedoch weniger belasten. Trauben, Traubenschnaps oder die alten Kartoffelsorten verkörpern zudem noch die peruanische kulinarische Tradition. Denn Spargel wird in Peru nur angebaut, weil es in Europa und den USA eine Nachfrage dafür gibt. In der heimischen Küche ist das Gemüse weitestgehend unbekannt.

Autorin: Hildegard Willer