Argentinien |

Vier Opfer der Militärdiktatur seliggesprochen

Angelelli, Seligsprechung, Religion

Die Statue Enrique Ángel Angelellis am Todesort bei Punta de los Llanos symbolisiert seinen Ausspruch "Ein Ohr am Evangelium, das andere am Volk". (Foto: Adveniat/Tina Umlauf)

Vier Märtyrer der argentinischen Militärdiktatur sind am Samstag bei einer Messe in Argentinien seliggesprochen worden. Es handelt sich um den früheren Bischof der westargentinischen Diözese, Enrique Angelelli, den Ordensmann Carlos de Dios Murias, den französischen Priester Gabriel Longueville und sowie den Laien Wenceslao Pedernera. Alle vier waren 1976 von Schergen der Militärjunta getötet worden. Kurienkardinal Angelo Becciu nahm in La Rioja als Vertreter des Papstes die Seligsprechung vor. In seiner Predigt nannte er die vier Märtyrer "Vorbilder christlichen Lebens". Während die damalige Junta jeden Einsatz für soziale Gerechtigkeit mit Argwohn beäugte, hätten die Männer sich den seelsorglichen Herausforderungen gestellt: "Förderung der Schwachen, Verteidigung ihrer Würde und Bewusstseinsbildung im Rahmen der kirchlichen Soziallehre".

Der Einsatz der vier Männer sei ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils gewesen, so dass man sie auch "Märtyrer der Konzilsbeschlüsse" nennen könne. Im Juni vergangenen Jahres hatte Papst Franziskus das Martyrium der vier Männer offiziell anerkannt. Damit war der Weg für ihre Seligsprechung und besondere regionale Verehrung frei geworden. Beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom erinnerte der Papst an die vier neuen Seligen. Ihr Beispiel und ihre Fürsprache könnten besonders "jene unterstützen, die für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft arbeiten".

Geistliche sprachen sich die Militärjunta aus

In seiner Predigt kritisierte Becciu auch die Instrumentalisierung von Religion und Kirche durch das damalige Regime. Offiziell habe dieses sich als Verteidiger des Christentums gegeben. Dabei habe man vom Klerus und den Gläubigen aber eine passive Haltung verlangt, durch die ihr "Glaube nur zu einer äußerlichen Manifestation in Liturgie und Gottesdienst" gezwungen worden sei. Bischof Angelelli (1923-1976) gehörte zu jener Gruppe von Bischöfen, die die Verbrechen der Militärjunta (1976-1983) anprangerten. Zu den Opfern der ersten Monate der Diktatur gehörten die beiden Priester Carlos Murias und Gabriel Longueville, die in seiner Diözese tätig waren. Die beiden waren am 18. Juli 1976 aus ihrem Dorf verschleppt, gefoltert und getötet worden. Wenige Tage später wurde der Katechist Wenceslao Pedernera vor seiner Haustür erschossen.

Angelelli reiste damals in den Ort, um die Vorgänge aufzuklären und die Opfer zu beerdigen. Auf der Rückfahrt am 4. August 1976 wurde sein Wagen bei einem fingierten Unfall von der Straße abgedrängt und überschlug sich. Als sein Beifahrer später aus der Bewusstlosigkeit erwachte, fand er den Bischof tot mit eingeschlagenem Schädel. Belastende Dokumente waren sowohl aus dem Auto wie aus der gründlich durchstöberten Bischofswohnung verschwunden. 38 Jahre später, im Juli 2014, wurden zwei Ex-Militärs als Auftraggeber des Mordes an dem Bischof zu je lebenslanger Haft verurteilt. Eine erste Gruppe argentinischer Bischöfe, die am Sonntag ihren offiziellen Ad-limina-Besuch im Vatikan begonnen hat, will am Abend in Rom eine Dankmesse für die Seligsprechung feiern. Bis zum 18. Mai folgen noch zwei weitere Gruppen von Bischöfen aus dem Heimatland des Papstes. (KNA)

Weitere Nachrichten zu: Religion