Brasilien |

Viele Jugendlichen haben Gewalterfahrung

São Paulo. Für viele Jugendliche in Brasiliens Großstädten gehört Gewalt mittlerweile zum Alltag. Das geht laut Medienberichten vom Mittwoch aus einer Studie hervor, die das Justizministerium in Auftrag gegeben hatte. Für die Befragung wurde die Situation in den 266 brasilianischen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern untersucht.

Demnach haben über die Hälfte (55 Prozent) aller 12- bis 29-jährigen Brasilianer in den letzten 12 Monaten mindestens eine Leiche gesehen, 24 Prozent wurden Augenzeugen eines Mordes. Mehr als 30 Prozent erklärten, selber Opfer von Gewalt geworden zu sein, wobei die meisten Fälle in der Familie stattfanden. Jeder dritte Jugendliche oder junge Erwachsene (39 Prozent) gab zudem an, Zeuge oder Opfer polizeilicher Übergriffe geworden zu sein.

Für den Direktor des Instituts "Sou da Paz" (Ich bin für den Frieden") aus São Paulo, Denis Mizne, wirkt sich die von Jugendlichen erlebte Gewalt negativ auf die Gesellschaft aus. So reagierten Betroffene aggressiver auf schulische oder soziale Probleme, sagte Mizne der Zeitung "Folha de S. Paulo".

In der Studie zeigt sich ein Nord-Süd-Gefälle. So sind Jugendliche in Nord- und Nordostbrasilien stärker Gewalt ausgesetzt als in den Ballungsräumen des Südens und Südostens. Unter den 27 Landeshauptstädten führen sieben aus dem Norden und Nordosten die Statistik an. Rio de Janeiro, Brasiliens zweitgrößte Stadt, im Süden des Landes gelegen, folgt auf Platz 8. In der Statistik aller 266 Städte mit über 100.000 Einwohnern nimmt Rio die 64. Position ein, während das ebenfalls im südlichen Landesteil gelegene São Paulo , mit Abstand Brasiliens größte Stadt, lediglich auf Position 192 zu finden ist.

"Die Statistik räumt mit einigen Mythen auf wie dem, dass die Situation der Jugendlichen in Rio de Janeiro am schlimmsten sei", kommentierte Justizminister Tasso Genro die Ergebnisse. Zwar gebe es in Rio Probleme, aber die größten Schwierigkeiten stelle der Nordosten dar. Dort werde zu wenig Geld in die öffentliche Sicherheit und in Präventivmaßnahmen investiert.

Quelle: kna