Bolivien |

Verteidigung der Mutter Erde

Mehr als 20.000 Umweltaktivisten aus 130 Ländern haben an der "Weltkonferenz der Völker über Klimawandel und Rechte der Mutter Erde" teilgenommen, fast die gesamte linksgerichtete lateinamerikanische Polit-Prominenz zeigte im bolivianischen Cochabamba Flagge. Handfeste
Resultate brachte der "alternative Klimagipfel", den den Boliviens Staatspräsident Evo Morales als Reaktion auf den gescheiterten Weltklimagipfel in Kopenhagen ausrief, aber genauso wenig wie der
"offizielle" UNO-Gipfel in der dänischen Hauptstadt vor einigen Monaten.

Stattdessen gingen vom Gipfel in Cochabamba neue Signale aus: Morales Initiative für eine neue internationale Organisation, die die Rechte von "Mutter Erde" schützen soll und die Forderung nach einem globalem Referendum über die Verwendung der weltweiten Militärausgaben von der
rund täglich vier Milliarden Dollar, sind neue Töne in der Umweltdebatte. Neu vor allem deshalb, weil derartige Forderungen noch nie von amtierenden Staatsoberhäuptern erhoben wurden. Morales: "Die wirkliche internationale Verteidigung muss die Verteidigung von Mutter Erde sein."

Kritiker warfen Morales allerdings vor, nur Lippenbekenntnisse abzugeben. Gerade erst hatte das Staatsoberhaupt des ärmsten südamerikanischen Landes mit Russland über einen neuen
100-Millionenkredit für den Kauf neuer Waffen verhandelt.

Deutlich mehr Zuspruch erhielt der Gastgeber für seinen Vorschlag eines Klimatribunals: Dort sollen sollen sich alle Staaten für ihre Umweltpolitik rechtfertigen müssen. Umweltschutz ist auch der Schutz der Menschenrechte, erklärte Morales. Boliviens Vizepräsident Álvaro García Linera forderte ein globale Herangehensweise in der Klimapolitik: "Isolierte Lösungen kann es nicht geben, wir müssen gemeinsam die Verschärfung des Klimadesasters angehen". Technischen Scheinlösungen Agrotreibstoffe oder Bestrebungen, CO2 künstlich zu binden, seien der falsche Weg.

Scharf verurteilte die Mehrzahl der Teilnehmer den Emissionshandel, der zu einer weiteren Privatisierung der Urwälder führen würde. Gefordert wurde dagegen die Einrichtung eines freiwilligen Fonds, der auf der Anerkennung der "Klimaschulden" des Nordens basiere. Besondere Bedeutung
solle der Schutz der Wälder erhalten, künstlich angelegte Monokulturen sollten dagegen nicht als Wälder betrachtet werden. Der Schutz der indigenen Bevölkerung müsse dringend verbessert werden.

Die "Weltkonferenz der Völker" fand auf Einladung der bolivianischen Regierung statt. Die Gastgeber behielten sich eine Prüfung aller Abschluss-Statements vor.

Autor: Tobias Käufer