Brasilien |

Verschwundene Leichenteile sorgen für Schlagzeilen

In Brasilien sind laut Medienberichten vom Sonntag, 1. Septembe, Leichenteile von mutmaßlich fünf in den 70er-Jahren getöteten Guerillakämpfern verschwunden. Wie die Zeitung "Folha de S. Paulo" berichtet, befanden sich die sterblichen Überreste seit 2009 im Universitätskrankenhaus der Hauptstadt Brasilia. Dort sollte demnächst mit DNA-Tests überprüft werden, ob es sich tatsächlich um Angehörige der kommunistischen "Guerilla von Araguaia" handelt. Bei den vorbereitenden Arbeiten, bei denen auch die Überreste von 25 weiteren potenziellen Rebellen untersucht werden sollten, sei der Verlust festgestellt worden.

Die aus rund 70 Kämpfern bestehende Gruppe formierte sich Ende der 60er-Jahre in der Region des Rio Araguaia in Zentralbrasilien und war zeitweilig in drei Bundesstaaten aktiv, bevor sie von Einheiten der Armee zerschlagen wurde. Die Toten galten im offiziellen Sprachgebrauch als verschwunden; gleiches traf auf eine unbekannte Anzahl von Zivilisten zu, die als Kollaborateure beschuldigt wurden.

Wahrheitskommission soll Menschenrechtsverbrechen aufarbeiten

Die Aufarbeitung von Verbrechen während der Militärdiktatur (1964-1985) sorgt in Brasilien immer wieder für Diskussionen. Ein 1979 erlassenes Amnestiegesetz verhindert eine Bestrafung der Täter wegen Menschenrechtsverbrechen. 2012 setzte der brasilianische Kongress eine Kommission ein, um die Aufarbeitung voranzubringen. Die sieben Mitglieder wollen ihren Abschlussbericht bis Ende 2014 vorlegen.

Im Falle der "Guerilla von Araguaia" kämpfen Hinterbliebene seit den 80er-Jahren um eine Offenlegung der als geheim eingestuften Akten und eine Bestrafung der Verantwortlichen. Um sterbliche Überreste von Opfern zu finden, wurden mehrere Suchaktionen durchgeführt. Bisher konnten zwei Leichen identifiziert werden. Die jetzt verschwundenen Leichenteile waren bei einer Expedition im Oktober 2001 gefunden worden. Am 10. September soll sich ein Gericht mit dem Verlust der sterblichen Überreste befassen.

Quelle: KNA