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Verhaftungen im Fall "Amarildo"

Im Fall des in Rio de Janeiro von der Polizei entführten und ermordeten Maurergehilfen Amarildo de Souza ist es zu weiteren Verhaftungen von Polizisten gekommen. Nach erneuten Zeugenaussagen und Vernehmungen erhob die Staatsanwaltschaft am Dienstag, den 22. Oktober, gegen 15 Polizisten der Polícia Militar (PM) Anklage wegen Entführung und Folter mit Todesfolge. Sie alle arbeiteten in der Favela Rocinha in Rio de Janeiro als so genannte "Befriedungspolizei" (Unidade de Polícia Pacificadora, kurz: UPP). Drei von ihnen stellten sich gestern.

Der 43-jährige Amarildo, Vater von sechs Kindern und wohnhaft in der Favela Rocinha, wurde am 14. Juli von Polizisten der UPP zu Ermittlungszwecken mitgenommen und in ihre in der Favela gelegenen Wache gebracht. Danach verschwand er spurlos. Dem brasilianischen Nachrichtenportal G1 zufolge sei Amarildo von vier Polizisten gefoltert worden, während zwölf zusahen. An den Folgen von Folterung mit Elektroschocks sei er gestorben. Eine Leiche wurde bisher nicht gefunden.

Viele Angeklagte

Gegen 25 Polizisten besteht die Anklage der Folter mit Todesfolge. Zehn von ihnen befinden sich seit 20 Tagen in Untersuchungshaft. Außerdem wurde gegen 17 Polizisten Anklage wegen Verschwindenlassens der Leiche erhoben, 13 Polizeibeamten wird die Bildung einer kriminellen Gruppierung vorgeworfen. Sollten sie verurteilt werden, drohen ihnen neun bis 33 Jahre Haft, berichtet die brasilianische Tageszeitung „Folha de São Paulo“. Auch Edson Santos, Kommandant in Rocinha, sitzt in Haft.

Die "Befriedungspolizei", die sich aus Angehörigen der Polizei und des Militärs zusammensetzt, ist in der Favela Rocinha stationiert seit diese 2011 gestürmt worden ist, Waffen beschlagnahmt und die Drogenbosse verhaftet oder vertrieben wurden. Die UPP-Einheiten sollen den Gemeinden Sicherheit und ein Ende der Gewalt bringen. (cw)