Chile |

Verfahren wegen Mord an Journalist Carmona eröffnet

Der Richter Leopoldo Llanos hat gestern 35 Jahre nach dem Mord an dem Journalisten Augosto Carmona vor einem Berufungsgericht in Santioago de Chile Anklage gegen acht Ex-Geheimdienstler erhoben. Die Anklage erfolgt zehn Jahre, nachdem ein ähnliches Verfahren von der Militärstaatsanwaltschaft eingestellt worden war, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur.

Augusto Carmona war am 7. Dezember 1977 mit mehreren Schüssen in der Tür seines Wohnhauses in San Miguel erschossen. Im Inneren des Hauses hatten sich mehrere schwerbewaffnete Geheimdienstangehörige versteckt gehalten. Carmona war Nachrichtenchef des Fernsehsenders Canal 9 (heute Chilevisión) und Redakteur der Zeitschrift „Punto Final“. Er war Aktivist der kommunistischen "Bewegung der Revolutionären Linken" (MIR).

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Angeklagt sind der Ex-General und erste Chef des Geheimdienstes CNI, Odlanier Mena sowie die Geheimdienstler Miguel Krassnoff, Enrique Sandoval, Manuel Provis, José Fuentes, Luis Torres, Basclay Zapata und Teresa Osorio.

Richter Leopoldo Llanos wertet den Mord an Carmona als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, da es sich laut internationalem Recht um „einen systematischen und generalisierten Angriff“ gegen „das Leben eines Teils der Zivilbevölkerung mit einer bestimmten ideologischen Haltung“, unter Beteiligung staatlicher Machtorgane und mit Intervention von staatlichen Geheimdienstagenten.

Die Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) hat mehr als 3.000 Tote gefordert. Mehr als 37.000 Menschen wurden inhaftiert und gefoltert. Mehr als 1.104 Fälle wegen Menschenrechtsverletzungen aus dieser Zeit sind noch offen. (bh