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Verdopplung von Wasserkonflikten

Der Einsatz für sauberes Wasser endete für José María Filho tödlich. Kein Einzelfall, wie der soeben veröffentlichte Bericht "Konflikte im ländlichen Brasilien" belegt, den die Kommission der Landpastorale CPT veröffentlichte.

Klagen gegen Pestizideinsatz mit dem Leben bezahlt

José María Filho war die wichtigste soziale Führungsperson in der Region Chapada do Apodi, im Landesinneren des Bundesstaates Ceará. Auf Kundgebungen sozialer Gruppen prangerte er die Verletzung von Menschenrechten und insbesondere die Verschmutzung des Wassers durch den gedankenlosen Gebrauch von Pestiziden. Aus diesem Grund wurde Zé María do Tomé, wie er genannt wurde, im April 2010 mit 19 Schüssen ermordet, als er sich auf dem Heimweg nach Comunidad de Tomé befand.

Konflikte um Wasser wie der eben geschilderte und Hunderte weitere Fälle von Auseinandersetzungen um Land und Bergbau sind in dem Bericht „Konflikte im ländlichen Raum Brasiliens im Jahr 2010“ der Kommission der Landpastorale (CPT) dokumentiert, den die Organisation mit Sitz in Brasilia am 19. April veröffentlichte.

Verdopplung der Wasserkonflikte

Besondere herausgestellt wurde dabei die deutliche Zunahme von Konflikten um Wasser. Gegenüber dem Vorjahr hatten derartige Auseinandersetzungen sich im Jahr 2010 mit einer Zunahme um 93 Prozent fast verdoppelt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 87 Wasserkonflikte in Brasilien registriert, von denen 197.210 Personen betroffen waren. Zwei Personen kamen aufgrund der Streitigkeiten ums Leben.

Laut CPT gab es 2010 insgesamt 1.186 Konflikte im ländlichen Raum Brasiliens. Von den Auseinandersetzungen waren mehr als 559.000 Menschen betroffen und 34 Personen starben im Zuge der Konflikte. Seit 30 Jahren habe man zudem erstmals wieder Kämpfe von Eigentümern um ihr Land beobachtet. Die Fälle von Sklavenarbeit lägen zwar immer noch bei ungefähr 200 Fällen, doch zeigten die Bemühungen der Staatsanwaltschaft und der Einsatz von Einheiten zur Sklavenbefreiung zunehmend Wirkung. Die CPT geht daher von einem Rückgang der Sklavenarbeit aus.

Vertreibung von Quilombola-Gemeinden

Die Gewalt gegen Landbesetzungen und Landnahme sei vor allem im Norden des Landes besonders groß. Dort registrierte die CPT rund 6.800 Straftaten mit Schusswaffengebrauch, im Nordosten Brasiliens waren es rund 2.500 Fälle. Besonders dramatisch ist die Lage im

Am häufigsten von den Konflikten betroffen sind laut Bericht die Quilombola-Gemeinschaften. Dabei handelt es sich um Dörfer von Nachfahren entflohener Sklaven aus Schwarzafrika. Die Quilombola waren von 79 Konflikten betroffen, rund 8.000 Familien wurden im vergangenen Jahr von ihrem Land vertrieben und rund 1.200 Familien aus ihren Häusern geworfen.

Zunahme von Bergbaukonflikten erwartet

Die CPT geht davon aus, dass mit der neuen Gesetzgebung die Zahl von Bergbaulizenzen größer werden wird. Gegenwärtig sind 8.000 Genehmigungen erteilt. In Parauapebas, im Bundesstaat Pará, befindet sich der größte Eisenabbau der Welt. Rund um die Mine Carajás würden viele ländliche Gemeinden zugunsten des Ausbaus von Eisenbahnlinie und Hafenanbindung durch den brasilianischen Konzern Vale S.A. vertrieben.

Die Vergabe von Genehmigungen seitens der Umweltbehörden bei Großprojekten sei ein riesiges Konfliktfeld, so der Bericht. Als exemplarisches Beispiel sowohl für Brasilien als auch weltweit, wird der Disput zwischen Modellen von Entwicklung und der Verteidigung des Lebensraums von lokalen Gemeinden im Fall des Staudammes Belo Monte angeführt.

Privatisierung des Reichtums

Guilherme Zagallo konstatiert in der Studie der CPT, dass "die sozialen und die Umweltauswirkungen schließlich als zu vernachlässigendes Detail“ im Konflikt um natürliche Ressourcen behandelt würden. Zudem kritisiert er, dass der Reichtum privatisiert werde, wohingegen die negativen Auswirkungen von Projekten von der ganzen Gesellschaft getragen werden müssten.

Autorin: Tatiana Félix in Adital; Deutsche Bearbeitung: Bettina Hoyer