Brasilien |

Verantwortliche des Landlosemassakers müssen Strafen antreten

Nach zehnjährigem Rechtsstreit müssen nun für den Tod von protestierenden Landlosen verantwortliche Polizisten ihre Haftstrafen antreten. Die Urteile waren bislang noch nicht vollstreckt worden, da beide jeweils Einsprüche bei höheren Instanzen eingelegt hatten, wie brasilianische Medien berichteten. Die beiden Polizisten Mario Colares Pantoja und Jose Maria Oliveira hatten 1996 einen Einsatz zur Räumung einer durch Landlose gesperrten Straße im Bundesstaat Para geleitet. Dabei waren 19 Menschen getötet und 66 verletzt worden. Seit Jahren erinnert die Landlosenbewegung MST durch ihren Protestmonat „Roter April“ an das Massaker.

Die beiden Polizisten waren bereits vor zehn Jahren von einem Gericht zu 228 bzw. 158 Jahren Haft verurteilt worden. Pantoja war zu Wochenbeginn freiwillig in einem Gefängnis von Para erschienen, um seine Haft anzutreten. Dagegen kündigte ein Anwalt Oliveiras an, Einspruch einlegen zu wollen. Unter Juristen ist unklar, ob die Polizisten noch rechtliche Möglichkeiten haben, gegen ihren Haftantritt vorzugehen. Pantoja hatte stets erklärt, die Polizei sei lediglich der Anweisung des damaligen Gouverneurs gefolgt; dieser habe eine Räumung der gesperrten Straße „um jeden Preis“ befohlen.

Der damals ranghöchste Vorgesetze der beiden, Fabiano Lopes, wurde bislang noch nicht von der Justiz belangt. Die Landlosenbewegung erklärte, die Bestrafung der beiden Polizisten komme zwar spät; immerhin könne aber so ein Teil des Schadens für die Menschenrechte in Brasilien wieder in Ordnung gebracht werden. Zudem könne davon ein Signal ausgehen, auch andere Verbrechen gegen die Menschenrechte künftig zu ahnden.

Quelle: KNA