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Vechta: Honduranischer Priester berichtet über Kampf gegen Holzmafia

Mehrere Attentate überlebt - Padre José Adalberto Palma Gómez. Foto: Heuer
Mehrere Attentate überlebt - Padre José Adalberto Palma Gómez. Foto: Heuer

"Hunger nach Bildung", unter diesem Motto stellt Adveniat kirchliche Bildungsinitiativen in den Mittelpunkt der Jahresaktion 2013. Als einer von sieben Adveniat-Botschaftern berichtet in diesen Tagen der honduranische Pater José Adalberto Palma Gómez in Deutschland von den kirchlichen und sozialen Verhältnissen in Lateinamerika. Auf seiner Reise durch die Bistümern Essen, Dresden, Köln und Limburg hielt er sich auch einige Tage im Offizialatsbezirk Oldenburg auf. Gestern berichtete er der Dienstgemeinschaft des Offizialats und des Landes-Caritasverbandes aus seiner Heimat. Der humorvolle und lebenslustige Kirchenmann zeichnete ein Bild einer lebendigen und wachsenden Kirche, doch er berichtete auch von viel Leid in Honduras.

Seit über zehn Jahren leitet Pater Adalberto die Pfarrei Cedros in der Erzdiözese Tegucigalpa. Mit 130.000 Menschen in 155 Gemeinden ist es die größte Pfarrei der Erzdiözese, das Gebiet ist mit 2.400 Quadratkilometer größer als die Landkreise Vechta und Cloppenburg zusammen. Die Bevölkerung ist zu 83 Prozent katholisch, die Gottesdienstbesucherzahlen sind hoch. Viel Arbeit für einen Geistlichen, der mit dem Auto, dem Boot, mit Pferd oder Esel oder zu Fuß mehrere Tage braucht, um entlegene Gemeinden zu besuchen. „Dennoch bin ich einmal pro Jahr in jeder Gemeinde,“ versichert er. Ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen könnte er dieses riesige Areal nicht abdecken. Etwa zweitausend Personen unterstützen ihn in der pastoralen Arbeit, 420 von ihnen als Gemeindeleiter. Diese Delegados de la Palabra kommen aus allen Schichten und Bevölkerungsgruppen, viele von ihnen sind Frauen. Nach einer zweijährigen Ausbildung können sie Wortgottesdienste leiten, bereiten Kinder auf die heilige Kommunion vor, kümmern sich um Alte und Kranke. „Diese Menschen genießen ein hohes Ansehen und sind gute Multiplikatoren. Adveniat unterstützt uns seit vielen Jahren bei ihrer Aus- und Weiterbildung,“ sagt Pater José.

Der 38-Jährige kümmert sich nicht nur um die spirituellen Bedürfnisse seiner Gemeinde. Er fordert die Menschen auf, ihre täglichen Probleme anzupacken. „Nur weil wir arm sind, müssen wir das Schlechte nicht hinnehmen." So kämpft der Pater gegen die Holzmafia, Drogenbosse und prangert Umweltzerstörung durch Goldminen an. Schon mehrfach wurden Attentate auf ihn verübt, zweimal sollte er vergiftet werden. Doch der Pater legt sich angstlos mit der Holzmafia an. Diese rodete ohne Rücksicht auf Menschen und Umwelt. „Die Leute im Dorf wussten nicht, was sie dagegen unternehmen sollten. Sie sind arme Bauern, haben kaum Schulbildung und kennen ihre Rechte nicht“, erklärt er. Der Pfarrer forderte seine Gemeindemitglieder auf, sich zu organisieren. „Ich wusste, dass wir es schaffen können. Schließlich konnte ich auf die Hilfe meiner Delegados zählen.“

Ein großes soziales Problem, erklärte Pater José, stellt für ganz Lateinamerika die Emigration dar. Circa 30.000 seiner Pfarrmitglieder lebten in den USA. Meist sind es Männer, die auf der Suche nach Verdienstmöglichkeiten versuchen, in den reichen Norden zu kommen. „Viele schaffen den Weg nicht, verunglücken, werden überfallen, ausgeraubt der getötet. Und wenn sie es schaffen, schicken viele nur die ersten zwei Jahre Geld an ihre Familien, weil sie dann neue Familien in den USA gründen.“ Zurück bleiben die Frauen mit acht bis zehn Kindern, erklärt der Pater. Und mit ihnen kaputte Familienstrukturen, Drogenhandel, Alkoholmissbrauch, Prostitution und Missbrauch. (Ludger Heuer)