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USA wegen WikiLeaks-Affäre unter Druck

In Südamerika werden nach den Enthüllungen des Webportals WikiLeak, das insgesamt über 250.000 Geheimdokumente von US-Botschaften ins Internet gestellt hatte, Forderungen erhoben, dass die USA sich erklären. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die Botschaften auf Anweisung des Außenministeriums das jeweilige Land ausspionierten. Die US-Regierung bestellte bei ihren Auslandsvertretungen Berichte zur politischen und wirtschaftlichen Lage sowie über soziale Bewegungen. Für Empörung sorgt aber auch, dass eine Reihe von Berichten sich mit der Gesundheit und persönlichen Informationen über Minister und andere lateinamerikanische Amtsträger befassen.

Venezuela im Visier

Boliviens Regierung hat erklärt, es handele sich bei dem Verhalten der USA um Spionage-Akte. Präsidentensprecher Iván Canelas bezeichnete das Vorgehen als einen Versuch, die Regierung von Evo Morales zu destabilisieren. Einem Bericht der britischen Tageszeitung „The Guardian“ zufolge befassen sich allein 4.155 Dokumente mit Venezuela und dessen Präsidenten Hugo Chávez. Aus diesen geht klar die Absicht des Weißen Hauses hervor, Venezuela in Lateinamerika politisch zu isolieren.

Verletzung der Intimsphäre

Ein Dokument zu Argentinien enthält die Anweisung zu ermitteln, wie es um die geistige Gesundheit von Präsidentin Cristina Fernández bestellt sei. Paraguays Außenminister Héctor Lacognata hat dem US-Botschafter in Asunción in einem Brief seine Besorgnis über die Spionageakte mitgeteilt. Es wäre schwerwiegend, sollte sich bestätigen, dass sich ein anderes Land in die inneren Angelegenheiten Paraguays eingemischt habe. Das US-Außenministerium hatte der Botschaft in Asunción den Dokumenten zufolge aufgetragen, Informationen über die Kandidaten der letzten Präsidentschaftswahl zu liefern, zu den Beziehungen Paraguays zu Kuba, aber auch zu möglichen Erdölvorkommen im Chaco. (bs)

Quelle: Púlsar