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USA beenden Anti-Drogenkrieg in Bolivien

Die USA ziehen sich aus dem Anti-Drogenkrieg in Bolivien zurück. „Ich denke, das ist das Ende des Programms", gab Ende letzter Woche Larry L. Memmot das „Ende einer Ära“ bekannt. Mit der Spende von acht UH-1H-Helikoptern, einer Beechcraft King Air und drei Herkules C-130-Transportflugzeuge an das Andenland werde sich Washington aus dem aktiven Kampf gegen die Drogen zurückziehen, erklärte der Geschäftsführer der US-Botschaft in La Paz, der seit der Ausweisung von Ex-Botschafter Philip S. Goldberg wegen „Einmischung in innere Angelegenheiten“ die US-Vertretung im Regierungssitz La Paz leitet.

Auf bolivianischer Seite stieß die Spende auf wenig Gegenliebe. „Diese alten Helikopter helfen uns nicht, die können sie gerne mitnehmen“, kündigte Präsident Evo Morales an, man werde die Annahme von einer technischen Überprüfung abhängig machen. Bolivien als eines der weltweit größten Kokablatt- und Kokainproduzenten war im Kalten Krieg in das Visier der Amerikaner geraten.

US-Präsident Richard Nixon hatte 1972 den „War on Drugs“ ausgerufen. Der Kampf gegen Kokain wurde oft als Mittel zur Einmischung in die Politik der Kokain-Länder missbraucht. Sind heute Menschenrechte oder Chemiewaffen Invasionsgrund marschierte die US-Army 1989 unter dem Drogenschmuggel-Vorwand im geostrategisch wichtigen Panama ein.

So erklärte sich zuletzt Boliviens Ex-Präsident Jaime Paz Zamora (1989-93) zu einem Opfer der Drug Enforcement Administration (DEA), zu deutsch Drogenvollzugsbehörde. Der einzige Überlebende eines mysteriösen Hubschrauberabsturzes sei von seinem Konkurrenten, Ex-Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada, durch den Vorwurf des Drogenhandels aus dem Rennen gekickt worden. „Die DEA hat unser Land missbraucht und sich in Dinge politischer Art eingemischt“, begrüßt der Ex-Politiker den Abzug in einem Interview.

Laut US-Außenministerium liefen alle „Anti-Drogeneinsätze und Geheimdienstaktionen in ganz Bolivien“ über die Bundesbehörde. Trauriger Höhepunkt war das „Massaker von Villa Tunari“, als 1988 bei einem DEA-Hubschrauberangriff zwölf Dorfbewohner im Maschinengewehrfeuer starben und hunderte verletzt wurden. Die Morales-Administration will den Anti-Drogenkampf alleine schaffen. Hilfe soll künftig auch aus Deutschland kommen. Gespräche werden aktuell geführt. 36 Millionen US-Dollar, 16 Millionen mehr als im letzten Jahr, sind im neuen Haushalt eingestellt. In sechs Jahren wurden 33.605 Drogenlabors hochgenommen. Die DEA, habe in der gleichen Zeit nur 10.621 geschafft, so Regierungsminister Carlos Romero. (bb)