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Uruguay: Arm, aber nicht würdelos

Frühmorgens beim Gebet in der kleinen Kapelle des Klosters ist der einzige ruhige Moment an ihrem langen Tag. Weit nach Mitternacht erst wird sie ins Bett sinken. Zuvor hat sie einem alten Mann zur Identität verholfen, Abgebrannten wieder ein Dach über dem Kopf besorgt, mit einer "Heiligen" gesprochen und ein Armenviertel zum Tanzen gebracht.

Schwester Mariana Marguery ist eine Frau, die anpackt. Ein Energiebündel. Die 53-Jährige trägt schwarze, leichte Kleidung und bequeme Sandalen. Die halblangen, dunkelbraunen Haare hinter die Ohren geklemmt. Allein das Kreuz um ihren Hals verrät, wes Geistes Kind sie ist: sie gehört zum Orden der Franziskaner-Missionsschwestern Misioneras Franciscanas del Verbo Encarnado. Eine Karrierefrau, die Generaloberin in der Provinz Uruguay, Brasilien und Peru sowie Präsidentin der uruguayischen Ordensfrauen war. Heute steht die gebürtige Argentinierin dem kleinen Kloster La Casilla vor, begleitet die jungen Frauen in der Kongregation, absolviert nachts ein Fernstudium in Feministischer Theologie und arbeitet in den Barrios von Uruguays Hauptstadt.

Die Reportage über Mariana Marguery und die Menschen in Montevideos Armenviertel sowie eine Bildergalerie finden Sie unter blickpunkt-lateinamerika.de.