Brasilien |

Universalkirche im Kreuzfeuer der Kritik

Die brasilianische "Universalkirche vom Reich Gottes" (Igreja Universal do Reino de Deus) gerät immer mehr ins Kreuzfeuer der Justiz. Bereits seit August ermittelt die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Sao Paulo wegen Veruntreuung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung gegen die Führer der charismatischen Sekte. Mitte November eröffnete nun auch die Staatsanwaltschaft in New York ein eigenes Verfahren. Derweil wehrt sich Universal in Brasilien mit Hilfe des kircheneigenen Medienimperiums und mittels der Mobilisierung ihrer Anhänger gegen die ihrer Ansicht nach "verleumderischen Vorwürfe".

 

Ermittlungsverfahren gegen Kirchengründer Macedo

Im August dieses Jahres hatten Staatsanwälte ein Ermittlungsverfahren gegen den in den USA residierenden Kirchengründer Edir Macedo und neun weitere Führer der Universal eröffnet. Sie sollen zwischen 2003 und 2008 Spenden in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Euros in Steueroasen gewaschen und danach zurück nach Brasilien transferiert haben. Das Geld habe Universal in brasilianische Unternehmen und ihr aus mehreren TV-Sendern, Radiostationen und diversen Internetportalen bestehendes Medienimperium investiert. Die auch international aktive Universal gehört zu den größten charismatischen Sekten des Landes. Nach eigenen Angaben verfügt man alleine in Brasilien über Millionen Anhänger und 4.500 Tempel in 1.500 Städten.

Schon seit Jahren stehen mehrere charismatische Sekten unter der Beobachtung der Justiz. Dabei geht es meist um die Verwendung der von den Gläubigen gespendeten Gelder, dem so genannten "Kirchenzehnten". Laut brasilianischer Verfassung sind solche Spenden generell steuerfrei. Allerdings dürfen sie ausschließlich für die Kirchenarbeit und nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.

 

230 Millionen Spendeneinnahmen für charismatische Sekten

Es geht um riesige Summen. Experten schätzen dass in dem einst katholischsten Land der Welt 23% der 190 Millionen Einwohner Anhänger evangelischer Kirchen und charismatischer Sekten sind. Nach einer im Oktober veröffentlichten Studie nehmen die evangelischen Kirchen Brasiliens monatlich gut 400 Millionen Euros an Spenden ein, wobei 170 Millionen auf traditionelle evangelische Kirche wie Baptisten und Presbyterianer entfallen. Die restlichen 230 Millionen werden von charismatischen Sekten wie Universal eingenommen.

Dabei geht keine Sekte derart professionell vor wie die Universal, die über eine zentralisierte Finanzstruktur verfügt. "Wenn heute jemand im Bundesstaat Acre eine Spende an Universal abgibt, so ist dieses Geld am nächsten Tag auf dem Universalkonto," erklärt der Professor für Religionswissenschaften Leonildo Silveira Campos. "Das war die große Idee von Edir Macedo: Geld in der Hand zu haben, um Geschäfte zu machen." Doch Macedos Geschäftigkeit zieht mittlerweile immer mehr die Aufmerksamkeit der Justiz auf sich.

 

Amtshilfegesuch an die USA

Auf der Suche nach Beweisen gegen Universal hatte die Staatsanwaltschaft in Sao Paulo Ende Oktober ein Amtshilfegesuch an die Kollegen in den USA gerichtet. Darin wird um die Offenlegung von 15 Konten bei verschiedenen US-Banken gebeten.Insgesamt vermuten die Staatsanwälte dass US$862 Millionen über diese Konten gewaschen wurden. Die Spur führt über 5 illegale Wechselstuben in Brasilien die das Geld an sechs so genannte "Offshore"-Unternehmen mit Sitz in Steueroasen transferiert haben. Von dort soll das Geld über die US-Konten weitergeflossen sein. Über vorgetäuschte Darlehen an Mitglieder
der Universal floß das Geld dann wieder zurück nach Brasilien, wo es in nicht kirchliche Unternehmungen investiert wurde.

Derzeit gibt es noch keine Bestätigung ob die betroffenen US-Banken bereits der Aufforderung zur Offenlegung der suspekten Konten nachgekommen sind. Da vermutet wird dass Universal auch gegen US-Gesetze verstossen hat beschloss die Staatsanwaltschaft in New York kurzerhand über die reine Amtshilfe für die brasilianischen Kollegen hinaus selber gegen Universal zu ermitteln.

 

"Verleumdungskampagne"

Derweil verteidigt sich Universal in den eigenen Medien gegen die Anschuldigungen. So widmete der TV-Sender "Record" großzügig Sendezeit der Verteidigung der Universal, eine Antwort auf die angebliche "Verleumdungskampagne" durch Marktführer "TV Globo", der traditionell der katholischen Kirche nahe steht. Edir Macedo, der die Universal 1977 gründete, kaufte Ende 1989 "Record",
heute das Herzstück des Universalimperiums. Der Sender verzeichnete in den letzten Jahren beeindruckende Zuschauerzuwächse und fügt seinem Senderverbund immer neue Lokalstationen bei.

Heute verfügt der Sender über 30 Lokalsender in Brasilien und Ableger in den USA, Kanada, Japan, Europa und in Afrika.In Brasilien werden 5 Stunden des täglichen "Record" Programmes für die Sendungen von Universal reserviert, hauptsächlich für die Übertragung von religiösen Kulten. Aber auch im eigentlich Universal-freien Programm wie den Nachrichtensendungen scheint die leitende Hand der Sekte durch, was Medienexperten veranlasste "Record" unprofessionellen Journalismus vorzuwerfen.
Unterstützung von höchster Stelle erhielt "Record" und die Universal jedoch Ende Oktober. Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva erkläerte bei einem Besuch der "Record" Studios dass der Sender Opfer von Vorurteilen sei. Lula hatte sich 2006 während des Präsidentschaftswahlkampfes öffentlich an der Seite Edir Macedos gezeigt und bei den Universalanhängern um Stimmen für sich geworben.


Weitreichende politische Verbindungen

Die politischen Verbindungen zu Universal reichen jedoch noch weiter. Universals politischer Arm, die PRB (Partido Republicano Brasileiro) gehört Lulas Regierungsbasis an und hat in Vizepräsident Jose Alencar ihren prominentesten Vertreter. Zudem hatte Präsident Lula im Gouverneurswahlkampf 2006 in Rio de Janeiro den Universalpastor und Senator Marcelo Crivella unterstützt, einen Neffen Edir Macedos.

Crivella war es auch der Anfang November den traditionellen "Marsch für Jesus" in Sao Paulo anführte, eine Massenveranstaltung verschiedener charismatischer Sekten die jedes Jahr gut eine Million Menschen anlockt. Der "Marsch" wurde von dem Pastorenehepaar Sonia und Estevam Hernandes organisiert, Gründer der neuapostolischen Wunderheilersekte "Renascer em Cristo" (Wiedergeburt in Christus), der auch Weltfußballer Kaka von Real Madrid angehört. Das Ehepaar war 2007 wegen Devisenvergehen in den USA verurteilt worden nachdem der US-amerikanische Zoll US$ 56.000 in einer Bibel versteckt gefunden hatte. Gemeinsam mit Crivella prangerte das Ehepaar in den angeblich von den Medien und der Justiz durchgeführten Verleumdungsfeldzug gegen die charismatischen Sekten an. Auch gegen die Renascerkirche und das Ehepaar Hernandes ermittelt die Staatsanwalt in Sao Paulo bereits seit Jahren wegen Steuerhinterziehung.

 

Autor: Thomas Milz