|

Ungleichheit der Geschlechter bei Internetnutzung

Im Durchschnitt nutzen in Lateinamerika und der Karibik 8,5 Prozent weniger Frauen als Männer das Internet und neue Technologien. Dies geht aus einem Bericht der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) hervor, die am vergangenen 15. Oktober auf einer Konferenz in der Dominikanischen Republik vorgestellt wurde. In den letzten Jahren hat die Zahl der Internetnutzer in Lateinamerika und der Karibik stark zugenommen, Frauen befinden sich jedoch in fast allen Ländern noch im Hintertreffen.

Laut Cepal ist die Kluft zwischen Frauen und Männern im Umgang mit dem Internet und neuen Technologien in Lateinamerika sogar größer geworden, nur in Brasilien, Mexiko und Uruguay hat sie sich verringert. So beträgt beispielsweise in Chile, wo der prozentuale Anteil der Internetnutzung in der Bevölkerung am höchsten ist, der Unterschied zwischen den Geschlechtern fast fünf Prozent (39,3 Prozent der Frauen nutzen das Internet und 44 Prozent der Männer).

In vielen Ländern sei der technische Zugang für Frauen zwar ebenso vorhanden, doch in der Anwendung seien sie gegenüber Männern im Nachteil. Dies behindere die persönliche und berufliche Entwicklung von Frauen und so auch die Entwicklung der Länder insgesamt, kritisiert der Cepal-Bericht. Die „digitale Kluft“ zwischen Männern und Frauen ist in städtischen Räumen größer als auf dem Land und betreffe dort, unabhängig vom Bildungsstand, vor allem ältere Frauen, so die Untersuchung.

Stärkung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Frau

Laut Bericht komme die unterschiedlich starke Internetnutzung vor allem dadurch zustande, dass fast die Hälfte der Frauen in Lateinamerika und der Karibik keinerlei Verbindung zum Erwerbsarbeitsmarkt hätten, so die Cepal. Von den rund 300 Millionen Frauen der Region arbeiten nur 49,8 Prozent (bei den Männern 78,7 Prozent). Haben Frauen jedoch bezahlte Jobs, so kehre sich der Effekt um und Frauen nutzten das Netz häufiger als Männer.

Die Kommission sieht daher die größte Herausforderung der Länder darin, die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen zu fördern und ihre Teilhabe am Arbeitsmarkt zu stärken. Das Problem der Geschlechterkluft in der Nutzung digitaler Technologien hätten zwar viele Staaten bereits erkannt, gezielte Ansätze die Ungleichheit zu verringern gebe es jedoch nur in der Dominikanischen Republik mit dem Programm e-Dominicana, in Mexiko mit der Agenda Digital und in Ecuador, das mit Ecuador Digital 2.0, so die Wirtschaftskommission. (bh)