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UNESCO erklärt Reggae zum immateriellen Weltkulturerbe

Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur würdigt die Musik-Richtung, die ursprünglich marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen eine Stimme gab. 

Ein Reggae-Musiker spielt auf einem Open-Air-Konzert. (Foto: Yardie, Pixabay, CC0)

Die UNESCO traf die Entscheidung im Rahmen ihrer Tagung in Port Louis auf Mauritius. Reggae entstand in Jamaikas Hauptstadt Kingston Ende der 1960er Jahre als ein Musik-Stil der verschiedene Einflüsse miteinander verband, unter anderem Rhythm and Blues und Latino-Musik. Während Reggae ursprünglich vor allem für die Marginalisierten die Stimme erhob, trat er später seinen weltweiten Siegeszug als Musik für ein breites Publikum an. 

Die UNESCO würdigt den Beitrag des Reggaes zur Thematisierung von Ungerechtigkeit und Widerstand, sowie das Eintreten für eine humane Gesellschaft. Die Musik habe ein politisches Anliegen und spreche Sinne und Verstand gleichermaßen an. Zudem besitze Reggae eine spirituelle Seite und lobe Gott. Bei allem musikalischen Wandel habe sich an diesen Elementen bis heute nichts verändert. Schon von Kindheit auf wird Schülern auf Jamaika beigebracht, Reggae zu spielen. Die Musik ist durch Festivals und Konzerte auf der Insel allgegenwärtig. 

Kritik: Reggae wurde lange vom Establishment bekämpft

Ein kritischer Meinungsbeitrag in der britischen Zeitung „The Guardian“ bezweifelt, dass die Reggae-Gemeinde viel Freude über die Ehrung empfinde. Der BBC-Radiomoderator Dotun Adebayo weist darauf hin, dass Reggae sich immer gegen Jamaikas Regierung und die politisch Mächtigen auf der Welt generell gewendet habe. Der Schritt der UNESCO sei insofern suspekt und komme auch zu spät. Jamaikaner bräuchten die Vereinten Nationen nicht, um den „Soundtrack ihrer Leben“ gutheißen zu lassen. Jamaikas Establishment habe den Reggae so lange bekämpft, bis sie ihn als Einnahmequelle entdeckt habe. Während die Regierung die Musik verachtet habe, sei weltweit mit Reggae Geld verdient worden – das einzige Land, das hierbei leer ausging, sei Jamaika gewesen.

Neues immaterielles Kulturerbe aus Kuba, Mexiko und Panama

Die UNESCO hat außerdem das Fest von Las Parrandas im Zentrum von Kuba, auf ihre Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Dieses wurde 1820 erstmals gefeiert. Zwei Gruppen liefern sich bei Las Parrandas einen kulturellen Wettbewerb.  Desweiteren nun auf der Liste: die jährliche Feier von La Romería im Westen Mexikos zu Ehren des Bildes der Jungfrau von Zapopan – eine Tradition, die bis 1734 zurückreicht. Lateinamerika ist außerdem auf der Liste des immateriellen Kulturerbes nun mit der Conga-Kultur aus Panama vertreten. Sie ehrt in der Kolonialzeit versklavte Widerstandskämpfer. (bs) 

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