Chile |

UNESCO: Bildungssystem fördert Ungleichheiten

Das chilenische Bildungssystem fördert nach Angaben der Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen (UNESCO) bestehende soziale Ungleichheiten. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Organisation nach einer Untersuchung über die Verfügbarkeit, Akzeptanz und Anpassungsfähigkeit des Bildungssystems in Chile sowie dem Vergleich mit Argentinien, Uruguay und Finnland.

Es seien vor allem die starken Tendenzen der Privatisierung, die zum Ausschluss und zur Diskriminierung ärmerer Teile der Bevölkerung führen. Die chilenische Gesetzgebung sei auf die private Finanzierung ausgerichtet und beinhaltet keine Grundlage für ein gut ausgebautes öffentliches Bildungssystem, heißt es in der Studie. Auch die vorhandenen Möglichkeiten Stipendien zu erhalten, stehen nur einer privilegierten Gruppe Chilenen zur Verfügung. Dies stelle sich laut den Angaben der UNESCO in Argentinien und Uruguay gänzlich anders da. In den beiden südamerikanischen Vergleichsländern würde versucht, jeden Ansatz der Kommerzialisierung von Bildung zu verhindern.

Die UNESCO kritisierte weiterhin, dass die chilenische Regierung bisher internationale Abkommen nicht unterzeichnet hätte, die vorsehen, Bildung nach und nach kostenfrei für alle zugänglich zu machen. Somit läge ein Großteil der Verantwortung bei den Eltern und Kommunen, wenn es um die Sicherung einer qualitativ hochwertigen Ausbildung geht.

Dies ist es auch, was die chilenische Studentenbewegung seit nunmehr sieben Monaten von Präsident Sebastian Piñera fordert: eine kostenfreie Bildung, die allen zugänglich ist. Mit zahlreichen Demonstrationszügen haben Studenten, Schüler und Lehrer seit Mai dieses Jahres für die Verpflichtung einer öffentlichen Bildung protestiert. Dafür müsste das chilenische Bildungssystem, was in seinen Grundzügen noch aus der Zeit Agosto Pinochets stammt, grundlegend reformiert werden. Bisher blieben alle Versuche der Verhandlungen zwischen Vertretern des chilenischen Studentenverbandes und der Regierung erfolglos.(aj)