Paraguay |

Unbekannte töten weiteren Bauernaktivisten

Nach dem Tod eines von Unbekannten auf offener Straße erschossenen Bauern zu Wochenbeginn wird in Paraguay weiter über die Tatmotive des jüngsten Mordes gestritten. Hatten Medien vor Ort unter Berufung auf örtliche Polizeibehörden und Augenzeugen eine politische Straftat vermeldet, berichtete am Donnerstag, 19. September, die konservative Tageszeitung ABC von einem möglichen Zusammenhang mit Drogenkriminalität.

Der 46 Jahre alte Inocencio Sanabria Osorio war am Dienstagabend, 16. September, von zwei Männern auf einem Motorrad vor seinem Haus überrascht und mit mehreren Schüssen getötet worden, berichtete der Radiosender Ñanduti aus dem Disktrikt Horqueta im nördlichen Departamento Concepción. Sein Sohn wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Männer hatten sich als Medikamenten-Verkäufer ausgegeben und die Familie Tage zuvor bereits ausspioniert.

Vor seiner Ermordung hatte Sanabria ein Treffen von Soja-Plantagen-Gegnern besucht. Die Bauern wehren sich gegen Umsiedlungen durch Großgrundbesitzer, den Einsatz von genverändertem Saatgut und Agro-Chemikalien. Gegenüber Radio Ñanduti erklärte Polizeikommissar Ricardo Caballero, dass es über die Tatmotive „keine Zweifel“ gebe. Bauernvertreter Marciano Jara beklagte die „besorgniserregende“ Unsicherheit in dem Gebiet. Der Tod des Bauern ist schon der dritte innerhalb eines halben Jahres.

Vor sieben Monaten war in der selben Gegend und auf gleiche Weise der Bauernaktivist Benjamín “Toto” Lezcano getötet worden. Lezcano war Generalsekretär der Bauernorganisation „Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia“, und war beim Radiohören von zwei Motoradfahrern vor seinem Haus erschossen worden. Paraguays Staatsanwaltschaft betrachtet den 53-Jährigen als Mitglied der linksgerichteten Guerillaorganisation „Streitkraft des paraguayischen Volkes“ (EPP). Auch der Tod des Aktivisten Vidal Vega, der in seiner Wohnung erschossen wurde, ist bisher nicht aufgeklärt. (bb)