Bolivien |

Umweltprotest mit Fragezeichen

In einer TV-Sendung hat Boliviens Präsident Evo Morales am Sonntag den Organisatoren des Protestmarschs gegen den Straßenbau durch das »Indigene Territorium Nationalpark Isiboro Sécure« (TIPNIS) »Verschwörung gegen die Regierung« vorgeworfen. »Kapitalismus und NGOs konspirieren gegen die Regierung«, so Morales in der Sendung »Das Volk ist die Nachricht«. Ziel sei das »Verhindern nationaler Entwicklung und die Provokation eines Konflikts zwischen Tiefland und Hochland«, sagte Morales.

Die für die Proteste verantwortliche Führungsspitze vom »Verband der indigenen Tieflandbevölkerung« (CIDOB) stünde in direktem Kontakt mit der US-Botschaft und der US-Entwicklungshilfeorganisation USAID. Zum Beweis legte Morales abgehörte Telefonate zwischen der CIDOB-Spitze und US-Funktionären vor, die vor und während dem vor einer Woche begonnenen Marsch auf die Hauptstadt geführt worden seien. »Das Thema wurde national und international angeheizt«, so Morales zur ungewohnt breiten Berichterstattung über Bolivien. CIDOB wies die Vorwürfe am Sonntag von sich.

Medienberichten zufolge unterstützt die rechtskonservative Opposition den Marsch mit Lebensmitteln, Geld und Protestmaterial. Fahnen sowie Spruchbänder mit Aufschriften wie »Keine Koka im TIPNIS« und »Respekt für die Rechte indigener Völker« seien vom Unternehmerverband »Bürgerkomitee Beni« verteilt worden, berichtete die bolivianische Tageszeitung »Página Siete«. Alberto Melgar, Chef des Bürgerkomitees und erklärter Gegner von Indigenen-Rechten, sitzt wegen des Verdachts des Terrorismus und bewaffnetem Aufstand derzeit in U-Haft.

Derweil haben die Organisatoren des Protestmarsches ein erstes Todesopfer zu beklagen. Wie der katholische Radiosender ERBOL am Sonntag vermeldete, sei ein 14 Jahre alter Junge beim Sturz von einem Geländewagen ums Leben gekommen. Bereits vergangenen Mittwoch sei Pedro Moye, Sohn eines TIPNIS-Angestellten vom Heck eines Autos gefallen, wobei er sich eine schwere Kopfverletzung zugezogen hatte und am Sonnabend im Krankenhaus verstarb.

Der Tod dürfe nicht als »politische Fahne« missbraucht werden, sagte Menschenrechtsobmann Boliviens, Rolando Villena. Er forderte acht schwangere Frauen und 125 Kinder zum Verlassen des Marsches auf. (bb)