Mexiko |

Umdenken in der Migrationspolitik gefordert

Die katholische Kirche in Lateinamerika und zahlreiche Politiker haben nach dem Massaker in Tamaulipas ein Umdenken in der Migrationspolitik gefordert. "Das Massaker an 72 Migranten zeigt die Verantwortungslosigkeit des mexikanischen Staates in Fragen der Menschenrechte", kritisierten der Direktor des "Hauses der Migration" der mexikanischen Diözese Saltillo, Padre Pedro Pantoja Arreola, und die Direktorin des Diözesan-Zentrums für Menschenrechte, Blanca Martínez, in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der mexikanische Staat ignoriere bereits längerer Zeit die systematische Gewalt gegen Migranten und müsse sich zunächst bei den Herkunftsländern der Opfer entschuldigen: "Die bisherigen Worte der Außenministerin sind völlig unzureichend."

Erzbischof José Luis Escobar Alas von forderte vor allem eine stärkere Bekämpfung der Armut in den Herkunftsländern der Migranten: "Kein Migrant verlässt sein Land aus touristischen Gründen, sondern aus purer Notwendigkeit. Wenn es in einem Land reale Möglichkeiten gibt, die Probleme zu überwinden, wird niemand anderswo illegal sein Glück versuchen." Ein Teil der 72 von der Drogenmafia ermordeten Migranten stammte aus El Salvador. Unterdessen forderte El Salvadors Staatspräsient Mauricio Funes ein Treffen mit seinem mexikanischen Amtskollegen Felipe Calderón. "Wir müssen gemeinsam den Kampf gegen die kriminellen Banden in der Region aufnehmen." Guatemalas Präsident Álvaro Colom erklärte, niemals in der Geschichte zuvor, habe der Drogenhandel einen so starken und so direkten Einfluss auf die Migranten genommen.

In Saltillo gingen am Wochenende hunderte illegale Einwanderer aus Honduras, Guatemala, El Salvador und Nicaragua auf die Straße um auf ihre Sitaution aufmerksam zu machen. Sie forderten vor allem einen Schutz gegen gewalttätige Übergriffe von kriminellen Banden und der Polizei. (tk)