Honduras |

Über 250 Tote bei Gefängnisbrand

Bei einem Gefängnisbrand sind in Honduras in der Nacht zum Mittwoch mindestens 272 Häftlinge ums Leben gekommen, so jüngste Angaben der nationalen Behörde für Gerichtsmedizin. Über 60 Menschen wurden teils schwer verletzt. Laut ersten Medienberichten unter Berufung auf die lokale Feuerwehr war das Feuer in der Strafanstalt der zentralhonduresischen Regionalhauptstadt Comayagua gegen 22.55 Uhr (Ortszeit) ausgebrochen. Die Zahl der Opfer erhöhte sich im Laufe des Tages. »Unseren Erkenntnissen zufolge sind rund 100 Personen an Verbrennungen und durch Erstickung ums Leben gekommen«, hatte Feuerwehr-Sprecher Josué García am frühen Mittwochmorgen gegenüber der Radiostation Impacto de Comayagua erklärt.. Gefängnis-Direktor Danilo Orellana sprach von »über 200 Toten«.

Auslöser des verheerenden Feuers sei ein Gefängnisaufstand, berichtet die Tageszeitung La Tribuna. Die Revolte in dem mit geschätzten 500 Inhaftierten überfüllten Gefängnistrakt habe gegen 22.50 Uhr (Ortszeit) begonnen. Laut Gefängnisverwaltung befanden sich zum Zeitpunkt des Feuers insgesamt 932 Insassen in der Haftanstalt, dessen Kapazität für nur 400 Personen ausgelegt ist. Einer anderen Version zufolge könnte eine Racheaktion konkurrierender Insassen-Gruppen oder ein Kurzschluss mögliche Brandursache sein.

Laut Feuerwehr-Chef Leonel Silva konnten die angerückten Löschtrupps wegen anhaltender Schießereien zwischen Wachmannschaften und Gefängnisinsassen das ausgebrochene Feuer erst ab 23.30 Uhr bekämpfen. Zahlreichen Inhaftierten gelang die Flucht auf die Dächer der Haftanstalt, wobei es Augenzeugenberichten zufolge bei verzweifelten Rettungssprüngen zu dramatischen Szenen kam.

Rund 30 Brandopfer mit Verbrennungen dritten und vierten Grades wurden in das staatliche Krankenhaus Santa Teresa überführt, so Medienberichte, besonders kritische Fälle in das 80 Kilometer entfernte Hauptstadt-Hospital Escuela von Tegucigalpa.

Das Unglück ist Beleg für die katastrophalen Haftbedingungen in dem mittelamerikanischen 8-Millionen-Einwohnerstaat, der einer der höchsten Mordraten pro Kopf weltweit verzeichnet. 2004 waren bei einem Gefängnisbrand in der zweitgrößten Stadt des Landes San Pedro Sula 107 Menschen ums Leben gekommen. 2003 wurden bei einem Aufstand im Gefängnis El Porvenir nahe der Karibikstadt La Ceiba 66 Insassen sowie drei Frauen auf Besuch von Gefängniswärtern erschossen. (bb)