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U-Bahn-Streik: Chaos und Tumulte in São Paolo

Ein Streik der U-Bahn-Mitarbeiter von São Paulo hat gestern in der südöstlichen brasilianischen Großstadt ein Verkehrschaos ausgelöst. Die Arbeiter legten ihre Arbeit am Mittwochmorgen nieder. Bereits am Nachmittag wurde der Streik nach einer Einigung zwischen Gewerkschaft und Metrogesellschaft über Lohnerhöhungen in Höhe von 6,17 Prozent wieder aufgehoben.

Trotz des Streikendes fuhren die U-Bahnen auch am Nachmittag nur zum Teil. Die Zahlen über die vom Streik Betroffenen schwanken zwischen 700.000 nach Angaben der Metrogesellschaft und 6 Mio. Menschen, nach Angaben der Stadtverwaltung. Im Großraum São Paulo leben rund 20 Mio. Einwohner, die Stadt selbst hat etwa 10 Mio. Einwohner.

Tumulte und überfüllte Busse

Der Streik auf vier von fünf Metrolinien und den Regionalbahnen hat zudem einen Rekordstau von 249 Kilometer Länge auf den Straßen der Stadt geführt, Unfälle habe es jedoch kaum gegeben. Zu dem Chaos in der Stadt hätten zusätzlich auch Demonstranten beigetragen, die Eingänge zu U-Bahnhöfen zu blockierten und zu verhindern suchten, dass die von der Stadt bereitgestellten Ersatzbusse ihre Fahrten antreten konnten, heißt es in lokalen Presseberichten.

An den Busstationen sei zu tumultartigen Szenen gekommen, bis zum Abend bildeten sich lange Schlangen, die Busse waren hoffnungslos überfüllt. An der Station Corinthians Itaquera, nahe dem künftigen Fußball-WM-Stadion, habe eine Auseinandersetzungen zwischen Studenten, die den Streik unterstützten und der Polizei zur Festnahme einer Frau geführt, meldete die militarisierte Polizei.

Der Gouverneur von São Paulo verurteilte den Streik gegenüber der Presse als Aktion „eines radikalen Grüppchens“ mit wahlpolitischen Absichten, die mit dem Streik auch geltende s Recht missachtet hätten. Damit bezog er sich auf die juristisch festgeschriebene Verpflichtung, zu Stoßzeiten den vollständigen Service für den öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung zu stellen. Die Gewerkschaften hatten mit ihrer Aktion einen Inflationsausgleich sowie einen Lohnanstieg erreichen wollen. (bh)