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Tübingen: Erstmals Tagung zu christlichen Basisgemeinden

Erstmals befasst sich eine große wissenschaftliche Tagung in Deutschland mit Geschichte, Formen und Theologie der aus Lateinamerika stammenden Kirchlichen Basisgemeinden. Von Donnerstag bis Sonntag kommen in der Tübinger Universität rund 250 Teilnehmer aus vier Kontinenten zusammen. Veranstalter sind die Theologische Fakultät sowie die katholischen Hilfswerke missio und Adveniat.

Neben einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme gehe es auch um "Provokationen zum gegenseitigen Lernen", sagte der Tübinger Theologe und Mitveranstalter Albert Biesinger am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Was können wir etwa von sozial engagierten Gemeinden in Lateinamerika oder Afrika lernen, die in Eigenverantwortung Gottesdienste feiern und ihren Glauben mit dem solidarischen Eintreten für Benachteiligte verbinden?"

Der Begriff Basisgemeinden bezeichnet Zusammenschlüsse von Christen, die mit Freunden und Nachbarn ihren Glauben leben und damit vor allem in lateinamerikanischen Ländern seit Jahren das Bild der katholischen Kirche prägen. Starkes Gewicht liegt dabei auf Solidarität und Hilfe für sozial Benachteiligte. Erstmals entstanden Basisgemeinden nach den Aufbrüchen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65). Häufig sind befreiungstheologische Ansätze wichtig, die einen sozial engagierten Glauben fordern. Vor dem Hintergrund von Priestermangel und Strukturwandel der Kirchen wächst auch in Deutschland das Interesse an diesen Modellen.

"Die Zukunft der Kirche entscheidet sich nicht in der Frage des Umgangs mit Missbrauchsfällen, Sexualmoral oder der Haltung zum Papst. Sondern darin, ob der christliche Glaube im eigenen Leben, im ganz konkreten Alltag als etwas persönlich Bereicherndes erfahren werden kann", so Biesinger. Dringend nötig seien daher mehr religiöse "Wärmestuben", etwa spezielle Netzwerke und Angebote für Familien und Kinder, Kranke oder sozial Benachteiligte.

Die Kirche in Deutschland, so Biesinger weiter, müsse sich selbstkritisch fragen, warum in vielen Kirchengemeinden kaum noch Platz für junge Familien und Kinder sei. Gefragt seien neue Konzepte. "Wie können wir vor Ort die Wärme und die Sinn stiftende Kraft des christlichen Glaubens erfahrbar machen?" Gerade hier könnten Erfahrungen aus den weltweit aktiven Basisgemeinden wichtige Impulse geben, sagte der Theologe. (KNA)

Weitere Informationen zum Internationalen Symposium „In der Welt von heute? Kirche unterwegs in christlichen Basisgemeinden“ finden Sie hier.