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Tsunami 2010: Ermittlungspolizei veröffentlicht neue Erkenntnisse

Knapp drei Jahre nach dem durch ein Erdbeben ausgelösten Tsunami vom 27. Februar 2010, der 521 Todesopfer forderte, könnte der Streit über die Verantwortung der seinerzeit handelnden Politiker enden. Ein neuer Bericht der chilenischen Ermittlungspolizei entlastet Ex-Präsidentin Bachelet. Diese war vor zwei Jahren von Opfer-Vertretern angeklagt worden. Dem 2.000 Seiten starken Dokument zufolge hätte der seinerzeitige Innenminister Edmundo Pérez das Katastrophen-Komitee leiten sollen. Da dieser jedoch in den Morgenstunden des 27. Februar nicht aufzufinden gewesen sei, habe Staatssekretär Patricio Rosende die Verantwortung übernehmen müssen.

Kommunikationsfehler der Marine

Bachelet, so lautete im Februar 2011 der Vorwurf von Anwalt Raúl Meza Rodríguez, habe Entscheidungen getroffen, zu denen sie nicht befugt gewesen sei. Den Verantwortlichen habe das technische Grundwissen gefehlt, um beurteilen zu können, wann eine Tsunami-Warnung auszusprechen oder aufzuheben sei. Erst hatte die Regierung eine Tsunami-Warnung ausgegeben, sie dann aufgehoben und wieder erneuert, nachdem die todbringenden Wellen bereits zugeschlagen hatten. Chiles für Frühwarnungen zuständige Marine allerdings hatte nach dem Tsunami zugegeben, bei der Beurteilung der Lage Fehler gemacht und die Regierung nicht hinreichend klar informiert zu haben.

Präsident Piñeras Doppelspiel

Chiles konservativer Präsident Sebastián Piñera hat seiner Amtsvorgängerin Bachelet wiederholt eine Mitverantwortung für den Tod der Tsunami-Opfer zugeschrieben. Freilich stimme er mit der Sozialistin darin überein, den Tsunami nicht für politische Zwecke zu missbrauchen. Bachelet, derzeit Leiterin der Gleichstellungs-Organisation UN Women, hat gute Chancen, bei der Präsidentschaftswahl 2014 erneut als Kandidatin des linken Lagers anzutreten. Chiles Verfassung schließt nur eine direkte Wiederwahl aus. (bs)