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Transparency International: Venezuela unter den korruptesten Ländern weltweit

Neuer Jahresbericht von Transparency International: Der Kampf gegen die Korruption stockt in vielen Ländern Lateinamerikas. Vor allem Venezuela und Haiti hat die Korruption fest im Griff. Doch auch im Rest Lateinamerikas sieht es nicht viel besser aus - bis auf einige Lichtblicke.

Jahresbericht von Transparency International: Venezuela ist demnach eines der korruptesten Länder der Welt. Umso dunkler das rot auf der Karte ist, desto schlechter schnitten sie in der Studie ab. Screnschot: Transparency International

Massenflucht, Versorgungskrise und auch Korruption; Venezuela hat im Moment viele Probleme: Das Land in Südamerika gehört laut dem gerade veröffentlichen Jahresbericht der Nichtregierungsorganisation Transparency International zu den korruptesten Ländern der Welt. Im internationalen Vergleich liegt das südamerikanische Land an fünftletzter Stelle (Rang 175 von 180 Ländern). In dem Staat, der seit knapp 21 Jahren von der Vereinigten-Sozialistischen Partei Venezuelas regiert wird und seit einigen Jahren unter einer politischen und humanitären Krise leidet, nahm die Korruption im Vergleich zum Vorjahr noch weiter zu. Nur in den von langen kriegerischen Konflikten geprägten Ländern Somalia (180), Südsudan (179), Syrien (178) und Jemen (177) schätzt die Studie die Korruption noch gravierender ein. Hinweis: Für die Studie wertete die Organisation Meinungen von Experten und Wirtschaftsvertreten aus. Die Ergebnisse basieren also auf Wahrnehmungen, nicht auf rein objektiven Zahlen. 

Große Probleme im Norden Lateinamerikas 

Zu den Schlusslichtern der Studie zählt auch Haiti (Rang 163 von 180). In dem Karibikstaat trieben Korruptionsvorwürfe gegen den Präsidenten Jovenel Moïse tausende Haitianer zu Protesten auf die Straßen, die seit Wochen das öffentliche Leben und die Lebensmittelversorgung im Land lähmen. 

Zu den großen Verlierern bei der Korruptionsbekämpfung zählen auch Mexiko und Nicaragua. In beiden Ländern hat laut den Autoren der Studie die Korruption seit 2012 im amerikanischen Vergleich am stärksten zugenommen. In Mexiko kauften Politiker demnach häufig Wählerstimmen. Und auch im Bereich der organisierten Kriminalität legen Informationen nahe, dass Politiker immer wieder mit Kartellen oder Gangs zusammenarbeiten. Ein trauriges Beispiel ist etwa der Fall von den 43 verschwundenen Studenten in Ayotzinapa. In das Verbrechen sollen auch Polizisten und Politiker verstrickt gewesen sein, die Aufklärung kommt nur schleppend voran. Positiv bewertet Transparency International hingegen die kürzlich verabschiedete Anti-Korruptions-Reformen in Mexiko. Kritiker bemängeln jedoch, das Mexikos Präsident sein Wahlversprechen, mehr gegen die Korruption zu tun, nur zaghaft umsetze. In Nicaragua nahm die staatliche Gewalt indes über die letzten Jahre deutlich zu.

Auch der Skandal um das brasilianische Bauunternehmen Odebrecht hat Lateinamerika in Sachen Korruption stark erschüttert. Über 15 Jahre hinweg nahmen Politiker Bestechungsgelder des Baukonzerns in Höhe von insgesamt einer Milliarde US-Doller an. Im Gegenzug bevorzugten sie den Baumulti etwa bei der Vergabe von Aufträgen. An dem Korruptionsnetzwerk besonders beteiligt waren Politiker aus Peru, Argentinien und Brasilien. 

In Brasilien ist der Kampf gegen die Korruption insgesamt ins Stocken geraten, sie verharrt auf einem konstant hohen Niveau. Laut der Studie tue sich der Staat schwer, weitreichende Reformen des politischen Systems in die Tat umzusetzen. In dem Jahresbericht von Tansparency International heißt es: "Der Fortschritt von Brasiliens Anti-Korruptions-Agenda ist in Gefahr und die erhöhte Straflosigkeit droht die Demokratie zu schwächen und das Land zu destabilisieren."

Lichtblick Uruguay

Ein lateinamerikanisches Land steht im Kampf gegen die Korruption gut da: Uruguay. Im internationalen Vergleich liegt der Staat in Südamerika in der Studie auf Rang 21 - und schneidet demnach sogar besser ab als die USA oder die westeuropäischen Staaten Spanien und Frankreich. Insgesamt stehen die südlichen Länder Lateinamerikas Argentinien, Uruguay und Chile besser da, als die  nördlicheren Länder des lateinamerikanischen Subkontinents. 

Insgesamt stellt der Jahresbericht von Transparency International der weltweiten Korruptionsbekämpfung ein schlechtes Zeugnis aus: Sie stagniert. Damit bleibt die Korruption in weiten Teilen der Erde Teil von politischen Systemen - und sorgt weiterhin für politische und soziale Probleme. 

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