Brasilien |

Tragischer Unfalltod spiegelt Kaiowü-Dilemma

Der tragische Unfalltod eines 26-jährigen Mannes vom Volk der Kaiowá im Bundesstaat Mato Grosso do Sul spiegelt die seit Jahren ungelöste Landproblematik wider. Sidney Cário de Souza campierte seit über elf Jahren gemeinsam mit 60 Familien seines Volkes am Rande einer viel befahrenen Überlandstraße, nachdem die Indigenen von ihrem angestammten Siedlungsland vertrieben worden waren.

Obwohl die Verfassung von 1988 der Regierung eine Frist von fünf Jahren eingeräumt hatte, um die indigenen Gebiete zu demarkieren, d.h. sie als solche kennzeichnen und zu schützen, lebt die Mehrzahl der Kaiowá in dem zentralbrasilianischen Bundesstaat noch immer unter unwürdigen Bedingungen in improvisierten Camps, wie der Indianer-Missionsrat der katholischen Kirche, CIMI, auf seiner Webseite berichtete.

Vom Autobus erfasst

Souza war Ende Juni von einem Autobus erfasst worden, während er zu Fuß entlang der Straße ging. Kurz darauf überrollte ein zweiter Autobus den hilflos auf dem Asphalt liegenden Mann und schleifte diesen über mehrere Meter mit sich. Bereits sein Vater, der Kaiowá-Führer Hilário Cário de Souza, war Ende 1999 bei einem ähnlichen Unfall in einem angestammten Siedlungsland der Kaiowá zu Tode gekommen.

Kurz darauf waren die Indigenen von jenem Land vertrieben worden, das heute von weißen Farmern bestellt wird. Seitdem leben die Familien am Rande der Überlandstraße. Zweimal hatten sie in den letzten Jahren versucht, zurück auf ihr Land zu ziehen, waren dabei jedoch von den Farmern vertrieben worden. In dem Camp gibt es weder Trinkwasser noch Möglichkeiten, Nahrungsmittel zu produzieren. So sind die Kaiowá von den Lebensmittelpaketen der staatlichen Indianerbehörde FUNAI abhängig.

Keine Ruhe

Doch auch in ihren provisorischen Unterkünften kommen die Kaiowá nicht zur Ruhe. Im September 2009 war das Camp durch Unbekannte beschossen worden, mehrere Hütten wurden abgefackelt. Eine Anzeige der Indigenen gegen ein Sicherheitsunternehmen, das von den Farmern zum Schutz der Farmen angestellt worden war, liegt seitdem bei der Bundesstaatsanwaltschaft. Doch rechtliche Schritte wurden nicht eingeleitet.

Ende 2007 hatte ebenfalls die Bundesstaatsanwaltschaft der FUNAI eine Frist bis Juni 2009 eingeräumt, um durch anthropologische Studien das Siedlungsgebiet der Kaiowá festzulegen und dem Volk zuzusprechen. Allerdings hatten weiße Farmer vor Gericht Protest gegen die Demarkierung eingelegt, so dass es derzeit keine Aussicht auf eine schnelle juristische Regelung gibt.

Thomas Milz, Sao Paulo