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Tourismusunternehmer warnen vor Lachsindustrie

Die Vereinigung für die touristische Entwicklung Patagoniens hat in einer öffentlichen Erklärung die Bedeutung der Naturschönheiten im Süden Chiles hervorgehoben. Die Fjorde, Gletscher und Inseln rund um die Magellanstraße sowie die Naturschutzgebiete seien von ihrem touristischen Potenzial her sogar noch deutlich höher einzuschätzen als der bekannte Nationalpark Torres del Paine. Einer geplanten Ausbreitung der Massen-Lachszucht wird eine Absage erteilt, Patagonien müsse seinen ursprünglichen Zustand behalten. Stattdessen gelte es, wirtschaftliche Betätigungen zu entwickeln, die den Menschen nutzten, auch künftigen Generationen.

Steigerung der Produktion auf 80.000 Tonnen

Ursache der Sorgen im Tourismussektor sind die Pläne der chilenischen Lachsindustrie, die Produktion in Chiles südlichster Region Magallanes von derzeit 6.000 Tonnen innerhalb von zehn Jahren auf 80.000 Tonnen zu steigern.

Der Tourismus habe für die Region als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige große Bedeutung - daher müssten sowohl der Staat als auch die öffentliche Meinung klar Stellung beziehen. Man sei als Tourismusvereinigung nicht gegen die Lachsindustrie als solche, doch komme es zu Verschandelungen der Landschaft. Umweltschäden wirkten sich auf den Tourismus aus, dessen Trumpf die Unberührtheit der patagonischen Natur sei. Die abschreckenden Beispiele der Hafenstadt Puerto Montt und der Insel Chiloé zeigten die Wichtigkeit einer nachhaltigen Entwicklung, die den Einheimischen zugute komme, statt kurzfristig nur auf rasantes Wachstum zu setzen.
Chiles Region Magellanes sei eine der wenigen Gegenden auf der Welt, die Touristen noch unverfälschte Naturerlebnisse bieten könne. Daher dürfe nicht anderen Ländern nachgeeifert werden, die den Tourismus auf Kosten der Umwelt entwickelt hätten.

Vorbedingungen für Konzessionen

Vom chilenischen Staat und der Lachsindustrie werden eine Reihe von Vorbedingen gefordert, ehe in der Region Magallanes neue Konzessionen ausgegeben werden könnten. Dazu zählen Nachhaltigkeit und Umweltkriterien. Außerdem müssten Lachsfarmen in Gegenden angesiedelt werden, die sich fern von touristischen Gebieten oder diese ansteuernden Schifffahrtsrouten befänden. Dem Staat komme die Aufgabe der Überwachung hygienischer Standards zu. Außerdem seien Studien erforderlich, wie sich die Verschmutzung, die von der Lachsindustrie ausgehe, auf die Nahrungskette im Meer auswirke. Nur eine strikte Einhaltung dieser Anforderungen werde für Akzeptanz auf Seiten des Tourismussektors und der Bewohner der Region Magallanes sorgen. Die staatlichen Stellen sollten sich der Herausforderung bewusst sein. Auch die internationale Gemeinschaft blicke auf Chile und werde kein Verständnis aufbringen für die Zerstörung der natürlichen Ressourcen und den Verlust einer weltweit einmaligen Natur. (bs)

Quelle: Adital