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Totalblockade - Französisch Guayana im Ausnahmezustand

Seit rund zwei Wochen herrscht in Französisch Guyana der Ausnahmezustand und nun drohen erneut Streiks und Straßenblockaden im kleinen Land im Norden Südamerikas. Grund für die anhaltenden Proteste sind die teilweise katastrophalen Lebensbedingungen in Guyana, das offiziell ein Überseegebiet von Frankreich ist. In vielen Teilen des Landes ist die soziale Infrastruktur in einem desolaten Zustand. Dies betrifft sowohl Krankenhäuser als auch Schulen, von denen laut der Protestbewegung mindestens zehn fehlen. Die sanitäre Versorgung vieler Guyaner ist ebenfalls katastrophal. Nur 15 Prozent von ihnen haben Zugang zu sauberem Trinkwasser. Hinzu kommen ausufernde Gewalt und sehr hohe Arbeitslosigkeit.

Mehr Geld für die Menschen

Die Proteste werden von der Gruppe der "500 Brüder" angeführt, die der französischen Regierung vorwirft, die notwendigen Investitionen nicht zu tätigen, dafür aber den berühmten Raketenstartplatz zu finanzieren. "Lasst Guyana abheben" ist der inzwischen überall skandierte Slogan. Um dieses Ungleichgewicht zu verdeutlichen, besetzten zahlreiche Protestler die Station und verhinderten so den Start der Rakete "Ariane". Ende März folgten mehr als 20.000 Guyaner dem Aufruf zum Generalstreik. Nahezu das komplette Land kam zum Stillstand.

Entspannung nicht in Sicht

Die französische Regierung reagierte mit dem Angebot, in nächster Zukunft rund eine Milliarde US-Dollar in Guayana zu investieren. Dieses Angebot lehnte die Protestbewegung nun ab und rief am Montag, 10. April 2017, zu weiteren Streiks auf. Es droht eine erneute Totalblockade. Die Demonstranten fordern wegen der massiven Unterfinanzierung in den letzten Jahren mindesten 2,5 Milliarden US-Dollar. In internationalen Medien wird die derzeitige Situation in Guyana als die schlimmste soziale Krise in der Geschichte des Landes bezeichnet. (aj)