Haiti |

"€žTödliche Geschenke"€? zurückgewiesen

Haitianische Kleinbauern und ausländische Aktivisten haben mit einem Protestmarsch am vergangenen Freitag ihre Ablehnung gegenüber einer Saatgutspende des multinationalen Konzerns Monsanto unterstrichen. Die Demonstranten forderten außerdem Ernährungssouveränität für Haiti und verurteilten die Zusammenarbeit der Regierung mit dem Konzern. Präsident Preval und Premierminister Jean Max Bellerive würden den Ausverkauf des „nationalen Erbes des Landes" betreiben, kritisierten die Demonstranten.

Der Konzern Monsanto, der 90 Prozent der weltweit ausgebrachten genveränderten Pflanzen erzeugt, hatte erklärt, im Laufe des Jahres Hybridsaatgut, Düngemittel und Pestizide im Wert von 4 Mio. US-Dollar an Haiti zu spenden, um den Inselstaat so bei der Bekämpfung der Folgen des schweren Erdbebens vom vergangenen 12. Januar zu unterstützen. Aus der Ernte von Hybridsamen kann jedoch nur bedingt neues Saatgut für die Aussaat im Folgejahr gezogen werden. Daher sind Bauern in der Regel gezwungen, jedes Jahr neues Hybridsaatgut beim Hersteller zu kaufen, was bei der Nutzung von einheimischem Saatgut nicht der Fall wäre. Von den insgesamt 475 Tonnen Saatgut sind bereits 130 Tonnen geliefert worden.

Vor der Demonstration von Papay nach Hinche wurde in einem symbolischen Akt einheimischer Mais auf einem Versuchsfeld der Kleinbauernbewegung MPP angepflanzt. Mit der Zeremonie sollte dazu aufgefordert werden, nur einheimische und biologisch-dynamische Lebensmittel zu nutzen. Außerdem wurde nach dem Marsch das „tödliche Geschenk“ symbolisch verbrannt und einheimisches Saatgut unter den Demonstranten verteilt.

Viele internationale Organisationen unterstrichen ihre Solidarität mit der haitianischen Bevölkerung. So erklärte Via Campesina Brasilien: „Die Spende von 475 Tonnen Saatgut erscheint zunächst als großzügige Geste von Monsanto gegenüber der haitianischen Bevölkerung. Doch in Anbetracht der Geschichte dieses Konzerns und so wie wir von Via Campesina Brasilien diesen Konzern kennengelernt haben, sind wir überzeugt, dass die Aktion lediglich eine ökonomischer Winkelzug ist, um auf skrupellose Weise die Gewinne weiter zu erhöhen. Gewinne, die auf Kosten der Ausbeutung von Kleinbauernfamilien und der Zerstörung der Ernährungssouveränität in Haiti erzielt werden.“(bh)

Quelle adital