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Tödliche Ausbreitung des farbigen Cracks

Immer neue Varianten der Crack-Droge werden von der brasilianischen Polizei sicher gestellt. Während sich die Droge OXI, eine Mischung von Kokain mit Treibstoffen, weiter in Brasilien verbreitet, sind farbige Cracksteine der neueste Renner in der Metropole Sao Paulo.

"Hulk" heißt der grüne Crackstein, in Anspielung auf die gleichnamige Comicfigur, und soll angeblich eine reinere Qualität haben als andere erhältliche Crack-Varianten. Der Effekt der grünen Droge halte länger an, hört man, und er verglühe nicht so schnell. Ebenfalls sehr erfolgreich ist "Capitao America", ein rot gefärbter Crack-Stein, der Assoziationen zu der Marvel Comic Figur Captain America hervorrufen soll.

Neue Marketingstrategie der Drogenhändler

Für Spezialisten der Polizei stellen die bunt gefärbten Drogen eine neue Marketingstrategie der Drogenhändler dar. In der immer unübersichtlicher werdenden Angebotsflut der Crack-Derivate wollen diese ihr Angebot aufwerten. Die farbigen Crack-Steine sollen den Eindruck vermitteln, dass sie von reinerer Qualität seien und dadurch eine stärkere Wirkung haben, so ein Polizeisprecher gegenüber der Zeitung "Folha de S. Paulo". Die farbigen Steine werden in der Drogenszene Sao Paulos demnach auch teurer gehandelt als die neue "Wunderdroge" OXI.

Die in Bolivien und Peru hergestellte Crack-Mischung OXI, eine mit Treibstoffen und Calciumoxid, also ungelöschtem Kalk gestreckte Kokainpaste, war in den letzten Jahren über den in der Amazonasregion gelegenen Bundesstaat Acre nach Brasilien gekommen. Anfang dieses Jahres wurde OXI erstmals auch in der südbrasilianischen Metropole Sao Paulo gesichtet. Seitdem hat die Polizei dort gut 60 Kilogramm OXI sicher gestellt. Während traditionelles Crack einen Kokainanteil von 40 Prozent hat, soll dieser bei OXI bei 80 Prozent liegen.

Grausame Auswirkungen

Noch fehlen der Polizei genaue Analysen der neuen Drogen und der Wirkungen auf den Organismus. Erschwerend kommt hinzu, dass Dealer in Heimarbeit immer neue Varianten herstellen, wobei sie reines Crack oft mit Zement oder anderen Substanzen strecken. Der Kreativität der Hersteller scheint keine Grenze gesetzt zu sein bei dem Ziel, die Droge stets günstiger herzustellen. Verschiedene Crack-Varianten sind bereits für weniger als ein Euro pro Stein zu erwerben.

Aber ob bunt oder weiß, wie das ursprüngliche Crack, oder mit gelb-brauner Färbung wie OXI - Crack hat längst die Drogenszenen in ganz Brasilien erobert. Mit grausamen Auswirkungen. Bereits nach dem Erstkonsum stellt sich eine meist tödliche Abhängigkeit ein. Innerhalb weniger Wochen verlieren die Drogensüchtigen massiv an Gewicht und werden auf Haut und Knochen reduziert. Zudem führt die Droge schnell zu unumkehrbaren Gehirnschädigungen. Zudem kommen beim Konsum des mit Kerosin oder Diesel vermischten OXI noch zusätzliche Gefahren für die Lungen hinzu.

Thomas Milz, Sao Paulo