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TIPNIS-Marsch vor La Paz

Nach zwei Monaten Fußweg ist der "Neunte Marsch" von Gegnern eines Straßenbau-Projektes durch das Amazonas-Schutzgebiet TIPNIS nahe der Hauptstadt La Paz zum Stehen gekommen. Aufgrund einer landesweiten Polizei-Revolte werde man vor den Toren der Millionenstadt warten, bis die Regierung den Konflikt mit den Uniformierten beigelegt habe, zitiert zu Wochenbeginn die Nachrichtenagentur Red Erbol Vertreter der Demonstranten.

Die 800 Bewohner des TIPNIS-Gebietes protestieren zum zweiten Mal nach 2011 gegen den Bau einer Durchgangsstraße. Sie sprechen sich gegen eine Volksbefragung zum Straßenbau aus. "Wir wollen La Paz nicht durcheinanderbringen, wir sind keine Putschisten und werden hier bis Mittwoch warten", erklärte am Montag der kürzlich vom Indigenen-Verband CIDOB als Präsident abgewählte Protestführer Adolfo Chávez. "Wenn die Regierung aber bis Mittwoch kein Dialogangebot macht, werden wir bis ins Stadtzentrum vordringen müssen", sagt Chávez weiter. Gespräche mit Regierungsminister Juan Ramón Quintana waren mehrfach abgelehnt worden.

Die Regierung in La Paz brachte die TIPNIS-Protestler am Dienstag in Verbindung mit der am Donnerstag ausgebrochenen Polizei-Meuterei. Nach Plünderungen der Geheimdienstzentrale des Andenlandes und der Besetzung von Polizeistationen durch aufständische Polizei-Einheiten am Wochenende sprach Boliviens Vize-Präsident Álvaro García Linera von einem "Staatsstreich". Phase Eins des "TIPNIS-Plans", so der Vize auf einer Pressekonferenz, bestünde aus einer Destabilisierungsphase durch Massen-Demonstrationen, übertriebenen Lohnforderungen und "Blockierung und Boykott friedlicher Konfliktlösung". Phase Zwei vom "laufenden Putsch-Prozess" sei das "Provozieren von Toten", erklärte der studierte Soziologe weiter.

In die Kritik geraten war zuletzt die von den Demonstranten gewählte Protestmarsch-Präsidentin Bertha Bejarano. 2007 war Bejano nach einem Airline-Flug von Santa Cruz nach Rio de Janeiro in Brasilien wegen Schmuggel verschluckter Kokainkapseln zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Der CIDOB-Verband erklärte die TIPNIS-Aktivistin daraufhin zur "unehrlichen Person". (bb)