Bolivien |

TIPNIS-Konsultation wird fortgesetzt

Bei der seit Ende Juli im »Indigenen Gebiet und Nationalpark Isiboro Sécure« (TIPNIS) abgehaltenen Konsultation über die Zukunft des 1,2-Millionen-Hektar-Areals haben laut Regierungsangaben 32 von 69 Gemeinden ihr Votum abgegeben. Gegenüber den 15 Befragungsteams des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums habe nur eine Gemeinde ihr Veto gegen den Bau einer Verbindungsstraße durch den Amazonaswald erklärt, berichtet die Tageszeitung »La Razón« am Freitag.

Die Regierung kündigte am Donnerstag eine Verlängerung der Konsultation an. Als Grund nannte der Chef der Präsidentenkanzlei Juan Ramón Quintana »objektive Schwierigkeiten«. Regenfälle und der Nationalfeiertag Anfang August habe die Befragung in dem Riesengebiet verzögert. »Die Zeit muss sich der Qualität der transparenten und informierten Befragung unterordnen«, so Quintana in La Paz.

Die Konsultation darüber, ob TIPNIS den Status der vom Protestmarsch zur Verteidigung des TIPNIS September 2011 eingeforderten »Unberührbarkeit« weiterbehält oder nicht, bleibt weiter kontrovers. Präsident Evo Morales hatte Protesten damals nachgegeben und jeden Eingriff im TIPNIS per Gesetz dekretiert. Das Parlament kassierte die Entscheidung und beschloss eine Befragung seiner Bewohner.

Befragung bleibt umstritten

Der Direktor der Behörde für Nationalparks SERNAP Sául Chávez bezeichnete die Befragung der rund 5500 TIPNIS-Bewohner als »die beste Möglichkeit« zur Konfliktlösung. Klimawandel und Umweltschutz seien eine globale Herausforderung. Es müssten aber auch die »Bedürfnisse der Menschen« in Bolivien berücksichtigt werden. Die Parkbewohner könnten »ohne Einmischung von niemandem eine Entscheidung über ihr eigenes Schicksal treffen«, erklärte der Verantwortliche von 22 Nationalparks am Donnerstag gegenüber dem Radiosender »Erbol«.

Straßenbau-Gegner stellen sich weiter gegen die Befragung. Diese sei nicht im Einverständnis mit allen Parkbewohnern beschlossen worden, was einen Verfassungsbruch darstelle. Um den Status des Parks durch Indigenen-Befragung zu klären, habe sich »die Regierung der Armut, des Hungers und der Bedürfnisse der Gemeinden bedient«, erklärte Adolfo Moye, Ex-Präsident der Verwaltungseinheit Tipnis. Das Versprechen, die Straße zwischen Hoch- und Tiefland würde eine Verbesserung der Lebensbedingungen bringen sei »Betrug«, so Moye.

Die 69 Gemeinden im TIPNIS sind in die drei Verwaltungseinheiten Sécure, Tipnis und Indigenenrat des Südens Conisur unterteilt. Die Konsultation indigener Völker über Infrastrukturprojekte in ihren Gebieten ist die erste ihrer Art überhaupt in Bolivien. (bb)