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TIPNIS-Indigene fordern Straßenbau

Nach 40 Tagen Fußmarsch sind in La Paz offiziellen Angaben zufolge über 4.000 indigene Bewohner des TIPNIS-Schutzgebietes angekommen. Die Mitglieder des »Nationalen Indigenen-Verbandes Süd« (CONISUR) fordern den Bau einer umstrittenen Verbindungsstraße durch das «Indigene Territorium Nationalpark Isiboro Sécure« (TIPNIS). Boliviens Präsident Evo Morales hieß die CONISUR-Vertreter am Montag im Präsidentenpalast Palacio Quemado willkommen.

»Es ist meine Pflicht jeden gesellschaftlichen Sektor mit seinen Forderungen zu empfangen«, erklärte das Staatsoberhaupt. Medien und Menschenrechtsorganisationen warf Morales Desinteresse an den Forderungen der TIPNIS-Bewohner vor. Im Gegensatz zum »Marsch zur Verteidigung des TIPNIS« der Straßenbau-Gegner, der Ende Oktober 2011 unter Leitung des oppositionellen »Verbandes der Tiefland-Indigenen« (CIDOB) und einer breiten Allianz ausländischer Nichtregierungsorganisationen in der Hauptstadt angekommen war, hätten »die Verteidiger der Menschenrechte diesen Marsch geopfert und nicht beachtet«, urteilte Morales.

CONISUR fordert mehr Entwicklung, Infrastruktur und staatliche Präsenz in dem von illegalem Holzeinschlag, Koka-Anbau und Besiedlungen bedrohten Reservat von der Größe Jamaikas. »Unserer Marsch wurde falsch dargestellt, wir fordern die Indigenen-Vertreter, die uns verraten haben zu einer Erklärung auf, warum sie dieses Gesetz gemacht haben«, griff Arnaldo Yuco, Vertreter der TIPNIS-Gemeinde Puerto Pancho die Führung des CIDOB stark an.

Das Gesetz, das TIPNIS zur unberührbaren Zone erklärt solle annulliert werden. »Wir fordern, dass die Straße dann weitergebaut wird«, so Yuco. Ende 2011 hatte Morales dem Druck der Straßenbau-Gegner nachgegeben und den Bau der Straße zwischen dem Hochland-Departamento Cochabamba und dem Tiefland-Departamento Beni per Gesetz auf Eis gelegt. Nun könnte das Parlament über das Präsidial-Dekret neu entscheiden. (bb)

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