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Teilnehmer der Adveniat-Sommerakademie über die Situation in Brasilien

Essen. Eine Botschaft mit Signalwirkung erwartet der brasilianische Pfarrer Nicivaldo Evangelista von Papst Franziskus beim Weltjugendtag (WJT) in Rio de Janeiro. Der Pfarrer aus dem Bundesstaat Bahia ist sich gewiss, dass sich der Papst bei seiner ersten Auslandsreise zur aktuellen Situation in Brasilien äußern wird. Franziskus habe durch seine Art auch im größten Land Lateinamerikas sehr viele Sympathien gewonnen, deshalb würden sich mögliche Demonstrationen während des WJT nicht gegen ihn oder das Jugendtreffen wenden, sondern gegen Korruption, für Bildungschancen und eine bessere Gesundheitsversorgung. Das sagte der 38-Jährige bei seinem Besuch in der Adveniat-Geschäftsstelle am 2. Juli in Essen. Die Forderungen der Demonstranten sind für den Theologen aus Livramento de Nossa Senhora nichts Neues, sie stünden schon lange im Fokus Kirche: Sie habe eine lange Tradition, die Themen Glaube und Leben miteinander zu verbinden. Soziales Engagement erwachse oft aus den Basisgemeinden.

„Die stärkste Waffe sind zurzeit die sozialen Netzwerke“, sagte Evangelista. In der Vergangenheit habe die Informationshoheit in Brasilien in den Händen einiger weniger gelegen. Die traditionellen Medien hätten jedoch durch Facebook und Twitter ihre Macht verloren. Die wirtschaftliche Verbesserung habe die Zugänglichkeit von Informationen mit sich gebracht. Deshalb seien die Proteste insbesondere aus der gut informierten studentischen Bevölkerung erwachsen. Über die Demonstrationen ist der Pfarrer sehr glücklich sie seien der erste wichtige Schritt hinaus aus der Passivität, hin zu demokratischer Beteiligung. Die Schwierigkeit bestehe nun darin, die Forderungen auf politischer Ebene umzusetzen.

Wie eine gewachsene Demokratie funktionieren kann, auch das erfahre Evangelista bei seinem Aufenthalt in Deutschland. Er ist einer von 30 Theologen aus Lateinamerika, die an einer dreiwöchigen Sommerakademie in Bad Honnef teilnehmen. Themenschwerpunkt der Tagung ist die Christliche Sozialethik. Die Theologen, die zurzeit in Rom studieren, besuchen noch bis zum 14. Juli die Sommerakademie. Sie kommen aus Kolumbien, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Brasilien, Peru, Chile, Guatemala, Haiti und Costa Rica. Zum elften Mal richtet Adveniat die Fortbildungsveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Katholisch-Sozialen Institut in Bad Honnef aus.