Kolumbien |

Taube mit Kokain kann nicht starten

Da staunten die Justizbeamten in der kolumbianischen Haftanstalt Modelo in Bucaramanga nicht schlecht. Immer wieder setzte die Taube zum Start an, doch so richtig kam das Federvieh nicht vom Fleck. "Die Taube hat es nicht aus dem Innenhof bis auf die Gefängnismauer geschafft, deswegen haben wir uns die Sache einmal näher angeschaut", berichtet Polizeigeneral José Ángel Mendoza. Das Rätsel für die Startschwierigkeiten der Taube war schnell geklärt. Einer der Häftlinge hatte dem armen Tier rund 45 Gramm Kokain und Crack auf den Leib geschnürt. Zuviel Gepäck für die "Paloma blanca", die fortan einen bedauernswerten Kampf gegen die Schwerkraft ausführte, den sie nicht gewinnen konnte.

In Kolumbien haben die Tüftler der Drogenmafia traditionell ein ganz besonderes Händchen für ungewöhnliche Transportmittel von Kokain. Gleich tonnenweise schleppen die Kartelle den „Schnee“ in dafür eigens konzipierten U-Booten auf dem Seewege nach Mittelamerika. Der Radar kann die Spezialbauten nicht erkennen, nur wenige der kleinen, aber effektiven Konstruktionen gehen der Küstenwache ins Netz. Milliarden Drogendollar werden auf diese Weise verdient. Aber auch in kleinem Stil ist Einfallsreichtum gefragt: Er vor wenigen Wochen ging den deutschen Zollbeamten eine Gruppe Schmuggler ins Netz. Sie hatten Kokain in Filzstiften versteckt. Erst als die Beamten eine „Schriftprobe“ mit der südamerikanischen Lieferung durchführten, flog der Schwindel auf. Gerade mal 177 Gramm wogen die Stifte aus Kokain und doch waren sie rund 17.000 Euro wert.

Der Zoll am Flughafen in Bogota verfügt über ein ganzes Arsenal von Fälschungen: Fotoalben mit Kokain als Klebstoff für die Bilder, Puppen aus Koka-Paste statt aus Kunststoff und Sport-Pokale voller Drogen statt Erinnerungen an den Sieg. Dem Einfallsreichtum der Dealer sind keine Grenzen gesetzt.

Zumindest für die Taube hat das unfreiwillige Flugverbot ein glückliches Ende gefunden. Sie wurde an die Umweltschutzbehörde der Stadt übergeben und dürfte fortan als Speditionsopfer von illegalen Frachtgütern ausfallen. (TK)