Bolivien |

Tag gegen Diskriminierung

Unter dem Motto »Gerechtigkeit ja, Rassismus nein!« haben im Stadtzentrum von Sucre am Donnerstag Medienberichten zufolge rund 5.000 Personen für Gleichberechtigung demonstriert. Der Protestmarsch anlässlich des erstmals begangenen »Tages gegen Rassismus und Diskriminierung« sollte an den Rassismus-Skandal vom 24. Mai 2008 erinnern, so die staatliche Nachrichtenagentur ABI.

Damals erniedrigten radikale Gegner des in der Stadt tagenden Verfassungskonvents ein Duzend Bauern aufgrund ihrer indigenen Herkunft, sozialen Status und politischer Überzeugung. Unter Androhung von Verbrennung wurden die Bauern damals zur Entblößung ihrer Oberkörper gezwungen und mit Benzin überschüttet. Mit Holzkreuzen in der Hand und von einer aufgebrachten Menge beschimpft und bespuckt mussten sie auf den Knien den Hauptplatz vor der »Casa de Libertad«, einem historischen Gebäude der Unabhängigkeitserklärung Boliviens, überqueren und Boliviens ersten indigenen Präsidenten Evo Morales als »Lama« und »schmutzigen Indio« beschimpfen.

»Die Demonstration war ein Erfolg, es haben verschiedene Teile der Gesellschaft teilgenommen, öffentliche und private Institutionen und die Gemeinde der Transsexuellen, Lesben, Schwulen und Bisexuellen«, berichtet Jorge Medina, Boliviens erster Parlamentarier afro-bolivianischer Abstammung in seinem Blog. Die Menschen hätten am Anti-Rassismus-Tag klar machen können, dass Rassismus und Diskriminierung ein Ende haben müsse, so der Politiker der Regierungspartei »Bewegung zum Sozialismus« (MAS).

Landesweit hatte das Kultusministerium zu öffentlichen Veranstaltungen geladen. Der Hauptakt wurde in der Hauptstadt und Regierungssitz La Paz abgehalten. »Wir müssen diese Handlungen schrittweise abbauen, damit das Land seine eigene Identität entwickelt und in seiner Verschiedenheit in Gleichheit ein Zusammenleben möglich wird«, so César Cocarico, Präfekt von La Paz. In der letzten Volkszählung 2001 bezeichneten sich 69 Prozent von rund zehn Millionen Bolivianern als »ursprünglich-indigener« Herkunft, 22,5 Prozent als »Mestizen«, fünf Prozent als »Weiße«, ein Prozent als »Schwarze«. (bb)