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Südamerika reagiert auf Rezessions-Angst

Mit einer Politik der Einheit wollen Südamerikas Volkswirtschaften der Schulden-Krise, dem Börsenkrach und den Rezessionsängsten in den USA und Europa entgegentreten. Auf einem Minister-Treffen der »Union Südamerikanischer Nationen« (UNASUR) in Peru am vergangenen Freitag berieten Wirtschaftsminister und Nationalbank-Präsidenten der elf Mitgliedsstaaten über Reaktionen und Auswirkungen der Krise auf den südlichen Kontinent.

Mitten im globalen Wirtschaftssturm rücken die UNASUR enger zusammen. »Die internationale Krise ist eine Chance für uns«, so Argentiniens Wirtschaftsminister Amado Boudou. Die informelle Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer G-20 »verliert seine weltpolitische Führungsrolle«, sagte Boudou und forderte eine Abkehr von »ihren Ratschlägen, unser Wachstum zu bremsen«. Durch eine »Synergie der Kräfte« sei für Südamerika die Stunde gekommen »das Wachstum gemeinsam zu vertiefen«. Der Argentinier regte in Perus Hauptstadt Lima mehr gemeinsame Investitionen etwa in die Infrastruktur an. Bestes Anti-Krisen-Instrument sei gemeinsames Handeln.

Der Schutz eigener Finanzen durch Bildung einer regionalen Finanzarchitektur, Stärkung der nationalen Währungen und eine Forcierung des regionalen Handels standen im Mittelpunkt der Debatten, in welche die überraschende Meldung von der Ranking-Abwertung der USA platzte.

Aktionsplan ab Mitte August

Lateinamerika treibt die berechtigte Sorge um, die aktuelle Krise könnte die eigenen Wirtschaften stärker treffen als die Finanzkrise von 2008. Diese hatte den Boom der Vorgängerjahre leicht abgeschwächt. Ab dem 12. August werde darum ein gemeinsamer »Aktionsplan« in Kraft treten, so UNASUR-Vertreter gegenüber der argentinischen Nachrichtenagentur »Telam«. Bei finanzpolitischen Entscheidungen der Präsidenten werde man »damit beginnen, diese gemeinsam zu treffen«, erklärten Teilnehmer des von Analysten als »historisch« eingestuften Treffens.

Genug Geld für Schockbehandlung

Angesichts der Instabilität von US-Dollar und Euro müsse das UNASUR-Bündnis »die Bildung eines Korbes lokaler Währungen« in Angriff nehmen, so ein Vorstoß aus Kolumbien. Lateinamerika dürfe nicht mehr nur »unbeteiligter Zuschauer« bleiben, sagte Präsident Juan Manuel Santos. »In der Region wächst das Bewusstsein, dass die Probleme des Nordens mit exogenen Problemen unseren Wirtschaften schaden«, machte Argentinien klar. Brasilien sprach, etwas vorsichtiger als sein Nachbar, von einer »Vertrauenskrise«.

So gut wie alle Länder des Kontinents haben dank des Wirtschafts-Booms der vergangenen Jahre Reserven angelegt, um auf Schocks mit anti-zyklischen Maßnahmen reagierten zu können. Wichtig könnte auch die Stärkung des »Lateinamerikanischen Reserven-Fonds« (FLAR) sein, dessen Kapital mit vier Milliarden jedoch noch recht schwach auf der Brust ist.

Vertrauenskrise des Nordens

Auch wenn »die Vertrauenskrise im Norden ist, nicht im Süden«, so Perus Wirtschafsminister Luis Castilla, seien die Sorgen der Latinos. In einer globalisierten Welt sei die Region nicht »immun« gegen Schocks von Außen, mahnte José Juan Ruiz, Chef-Analyst für Lateinamerika der Privatbank »Grupo Santander« in der chilenischen Tageszeitung »El Mercurio«. Wegen ihrer engen Bindung an die US-Wirtschaft seien Mexiko und vielleicht Brasilien die am meisten gefährdeten Länder. 2008 war Mexikos Wirtschaft um 6,1 Prozent geschrumpft, die schwerste Rezession seit 15 Jahren. »Auf globale Krisen kann mit nationaler Politik nur schwer reagiert werden«, bestärkte darum auch der Bank-Stratege das ungewöhnlich enge Zusammenrücken der Regierungen.

Benjamin Beutler