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Süd-Süd Brücke zur Nahrungssicherheit

Mit einem Exzellenzzentrum beteiligt sich Brasilien am weltweiten Kampf gegen den Hunger. Die neue Einrichtung mit Sitz in der Hauptstadt Brasilia arbeitet mit dem Welternährungsprogramm WFP, der Regierung in Brasilia sowie Mosambik, Osttimor und Haiti zusammen. Die WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran und der Chef der brasilianischen Agentur für Kooperation (ABC), Marco Farani, stellten das Zentrum Anfang November in Anwesenheit des designierten Generaldirektors der UN-Ernährungsorganisation FAO, José Graziano da Silva, in der nordostbrasilianischen Stadt Salvador da Bahia vor.

"Wir arbeiten zusammen, um die technische Zusammenarbeit in Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens auszubauen", sagte Daniel Balabán, Leiter des Zentrums,. Diese Staaten sollten von den Erfahrungen Brasiliens etwa bei der Schulspeisung und Hungerbekämpfung profitieren. "Brasilien verfügt über reichhaltige Erfahrungen, die mit interessierten Regierungen geteilt werden sollen", sagte Sheeran. Das Exzellenzzentrum soll "eine einzigartige Süd-Süd-Brücke zur Nahrungssicherheit" werden.

Brasilien senkte Unterernährung bei Kindern um 60 Prozent
Jeder siebte Erdenbürger hat nicht genug zu essen. Diesen Menschen bleibe nur die Wahl zwischen
Revolte, Emigration und Tod, erklärte Sheeran auf der Vierten Nationalen Konferenz für Ernährungssicherheit Anfang November im brasilianischen Salvador da Bahia. "Brasilien hat nun eine vierte Option geschaffen, nämlich den Hunger zu bekämpfen und den Kindern Hoffnungen zu geben."

Brasilien setzt seit 2003 das Programm ´Null Hunger´ um, das Nothilfemaßnahmen mit Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen und der Erhöhung der Familieneinkommen verbindet. Das von dem früheren Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva eingeführte Programm wird von Lulas Amtsnachfolgerin Dilma Rousseff fortgeführt. Die Unterernährung bei Kindern konnte um mehr als 60 Prozent gesenkt werden. Zudem hat sich das Kreditvolumen für Kleinbauern verachtfacht, und die Armut in ländlichen Regionen ging um 15 Prozent zurück, wie Graziano da Silva erläuterte, der diese Initiative mitbegründet hat.
Das größte Armutsbekämpfungsprogramm Brasiliens, ´Bolsa Familia´, sieht Zuschüsse für arme Haushalte, Impfungen für Kinder und deren Einschulung vor. ´Null Hunger´ wiederum hat dazu beigetragen, dass in dem Land mit rund 192 Millionen Einwohnern etwa 28 Millionen Menschen einen Weg aus der Armut fanden. Das Erfolgsprojekt ´Null Hunger´ wird auch im Fokus des neuen Zentrums stehen. Bereits 47 Millionen brasilianische Kinder und Jugendliche erhalten an den Schulen drei Mahlzeiten am Tag. Dieses Programm sei eng mit der Familienlandwirtschaft verbunden. "Der Kauf regionaler Nahrungsmittel macht die Kinder satt und fördert die lokale Agrarproduktion", sagte Farani.

Wie Milton Rondó Filho vom brasilianischen Außenministerium erklärte, ist die Gründung des Zentrums eine Reaktion auf die große internationale Nachfrage nach einer Zusammenarbeit mit Brasilien im Bereich der Hunger- und Armutsbekämpfung. Kinder, die besser ernährt seien, könnten besser lernen, sagte er.

Kauf regionaler Lebensmittel kurbelt Wirtschaft an
Gesetzlich ist vorgesehen, dass 30 Prozent der in den Schulen aufgetischten Nahrungsmittel aus
Familienbetrieben in der gleichen Region stammen müssen. Auch die Gleichberechtigung der Geschlechter soll weiter vorangetrieben werden. Rondò Filho verwies als Gegenbeispiel auf den Westen Pakistans, wo 97 Prozent aller Mädchen weder lesen noch schreiben könnten. Wenn es in den Schulen Mahlzeiten gebe, würden die Familien auch ihre Töchter dort hinschicken. Das Exzellenzzentrum will die brasilianischen Erfolgsrezepte den geografischen und kulturellen Gegebenheiten anderer Länder anpassen, wie der Vizebildungsminister von Mosambik, Augusto Jone Luís erklärte. In dem afrikanischen Land mit rund 20 Millionen Menschen erhalten etwa sechs Millionen Kinder Essen in den Schulen. Mit Hilfe des Zentrums in Brasilia soll die Versorgung ausgeweitet werden.

Autor: Fabiana Frayssinet, deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe, Quelle: IPS