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Stresstest für Chevron

Nach der öl-Havarie im Atlantik muss sich die Betreibergesellschaft Chevron einer externen Unternehmensprüfung unterziehen. Am heutigen Freitag werde dem ölmulti dazu eine detaillierte Benachrichtigung zukommen, so Carlos Minc, Umweltbeauftragter im Bundesstaat Rio. »Das wird eine Überprüfung sein, die eine Firma von bester Qualität und internationalem Niveau ausführt«, kündigte Minc gestern Abend an.

Die unabhängigen Prüfer sollen einer vom Umweltministerium in Rio aufgestellten Untersuchungskommission zuarbeiten, berichtete die Nachrichtenagentur Agência Brasil. Sämtliche Kosten habe Chevron zu zahlen, »eine Summe, die fünf Millionen US-Dollar erreichen kann«, sagte Minc auf einer Pressekonferenz. Geprüft werden soll, ob das Unternehmen über die technischen und logistischen Fähigkeiten zur Bewältigung künftiger Bohrunfälle verfügt.

Schon das deutsch-brasilianische Stahlkonsortium CSA von ThyssenKrupp und Vale hatte sich einer solchen Prozedur unterziehen lassen müssen, Anwohner nahe eines neu errichteten Stahlwerkes hatten über Atembeschwerden geklagt. CSA verpflichtete sich danach freiwillig zu Umweltschutz-Investitionen in Millionenhöhe, erinnerte Minc.

Das vor zwei Tagen von der brasilianischen National Petroleum Agency (ANP) verhängte Bohrverbot auf Zeit gilt derweil allein für neue Bohrungen, Erkundungen und Lizenzvergaben. Entgegen erster Pressemitteilungen betreffe die Aussetzung von Lizenzen nicht das Havarie-ölfeld Campo de Faude, vermeldet das Wirtschaftsportal Agência Estado. Auch Chevron erklärte, seitens ANP sei für Faude keine formale Bohrstopp-Aufforderung eingegangen. Von Anfang September waren bei aus dem ölfeld, dessen Produktion sich derzeit auf rund 79.000 Barrel pro Tag beläuft, 17 Tage lang mehrere tausend Barrel Rohöl ins Meer geflossen. Dem Unternehmen wird Vertuschung und Inkompetenz vorgeworfen. (bb)