Chile |

Straßenblockaden gegen neues Fischereigesetz

In Chile protestierten gestern rund 4.000 Fischer an verschiedenen Orten mit Straßenblockaden gegen ein geplantes Fischereigesetz. Bei Protesten im Hafen der Stadt Valparaíso seien mindestens elf Demonstranten festgenommen worden, berichtet die chilenische Zeitung „El Ciudadano“. An mehreren Orten habe es Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben. Etwa 120.000 Familien leben in Chile vom Fischfang. Die Fischer blockierten zudem die Zufahrten zur Stadt Constitución (Provinz Talca) und drohten

Der häufig nach dem Namen des Wirtschaftsministers Juan Pablo Longueira als „Ley Longueira“ bezeichnete Gesetzentwurf favorisiere die großen Fischereiunternehmen und werde die lokalen Fischerfamilien in die Pleite treiben, fürchten die chilenischen Kleinfischer.

Vorwurf der Privatisierungvon Gemeingut

Die Regierung versuche den Fischereisektor zu privatisieren und gehe nicht auf die Forderungen der Fischer ein, erklärte der Gewerkschaftsführer Rodrigo Escalona. Die Gewerkschaften hätten ihrer Beunruhigung und ihrem Widerspruch Ausdruck gegeben, „aber Minister Longueira hat ein Gesetz präsentiert, dass in keinster Weise die lokalen Fischer favorisiert“, zitiert die Nachrichtenagentur TeleSur den Gewerkschafter. Vertreter der Fischereigewerkschaft kündigten an, die Proteste falls notwendig, den ganzen Juli über fortzuführen wenn die Regierung nicht einlenke und weiterhin nicht zu Gesprächen bereit sei.

Der Gesetzentwurf wurde am gestrigen Mittwoch von der Fischereikommission des chilenischen Parlaments diskutiert und verabschiedet. Vertreter von Umweltorganisationen und Gewerkschaften kritisieren, dass der Gesetzentwurf in Rekordzeit durch das Parlament gepeitscht werden solle, berichten lokale Medien.

Regierung weist Vorwürfe zurück

Die Regierung weist die Kritik am Gesetzentwurf hingegen zurück. Der Entwurf werde die gegenwärtige Überfischung der chilenischen Gewässer stoppen. So erklärte beispielsweise Pablo Galilea, Unterstaatssekretär für Fischerei, „mehr als 90 Prozent der Kleinfischer werden durch den Schutz der ersten Seemeile profitieren“, die im Entwurf vorgesehen ist. Rosendo Arroyo, Leiter der Nationalen Kommission zur Verteidigung der Kleinfischerei (CONDEPA) erklärte gegenüber Medienvertretern, die Regierung versuche, den Sektor zu spalten, indem etwa verschiedene Regularien für unterschiedliche Schiffsgrößen vorgesehen seien und Schiffe von 12 und 18 Meter Länge bereits zur halbindustriellen Fischerei gerechnet werden sollen.

Das chilenische Blatt El Ciudadano weist darauf hin, dass vom geplanten Fischereigesetz vor allem die Familien Angelini, Sarkis, Stengel, Cifuentes, Jiménez und Izquierdo Cruz profitieren würden, die in drei großen Unternehmen derzeit 75 Prozent des Marktes der Kleinfischerei kontrollieren. (bh)