Bolivien |

Straßenbau-Konflikt spitzt sich zu

In Bolivien schwelt der Konflikt um den Bau einer umstrittenen Durchgangsstraße durch das Schutzgebiet »Indigenes Territorium Nationalpark Isiboro Sécure« (TIPNIS) weiter. Außenminister David Choquehuanca und der Minister für soziale Bewegungen César Navarro seien am Ssmstag von Straßenbaugegnern vier Stunden lang gegen ihren Willen festgehalten worden, so lokale Medien. Die Demonstranten hätten mit den Festgehaltenen als menschlichen Schutzschild eine Polizeisperre durchbrochen. Diese war an einer Brücke errichtet worden, um Straßenbaugegner von Straßenbaubefürwortern zu trennen und einen befürchteten Gewaltausbruch zu verhindern.

"Unberechenbare Eskalation" befürchtet

Zu Verhandlungen war Choquehuanca am frühen Morgen in die Ortschaft Chaparina im Tiefland-Departamento Beni gereist, aktueller Aufenthaltsort des Protestmarschs in Richtung Regierungssitz La Paz. Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt berichtete der unverletzte Außenminister, er habe in einer »sehr schwierigen Situation« vor allem die »unberechenbare« Eskalation zwischen beiden Seiten gefürchtet. Beim Durchbruch der Polizeisperre waren laut offiziellen Angaben vier Polizisten verletzt worden, teils durch Schüsse mit Pfeil und Bogen.

Der Protestmarsch von rund 500 TIPNIS-Bewohnern und Sympathisanten zieht derzeit auf Befürworter des Straßenbauprojekts zu, die sich in der Ortschaft Yucumo zehn Kilometer südlich gesammelt haben. Beobachter befürchten gewalttätige Zusammenstöße zwischen beiden Lagern. Rodolfo Machaca, Präsident der Bauernvereinigung CSUTCB beschuldigte die TIPNIS-Demonstranten sich von Ex-Ministern vorheriger Regierungen und der Morales-Administration »benutzen« zu lassen. Sie sollten »an die Region denken, die wegen fehlender Straßenanbindung seit langem zurückgeblieben ist«, so Machaca.

"Keine Entführung"

Mitte der Woche war bekannt geworden, dass das Anwaltsbüro eines in die USA geflüchteten Ex-Ministers und Botschafters der 2003 gestürzten Regierung des Millionärs Sánchez de Lozadas eine Protestnote der Demonstranten an den Interamerikanischen Menschenrechtskommission verfasst hatte. Regierungsminister Sacha Llorenti erklärte, es gäbe »Personen, die eine Eskalation politisch ausnutzen wollen«. Rafael Quispe vom Hochlandindigenen-Verband CONAMAQ erklärte es habe »keine Entführung« gegeben. Choquehuanca sei mit den Demonstranten »freiwillig« mitgelaufen. Ende letzter Woche hatte Präsident Evo Morales die Durchführung von Konsultationen gemäß »nationaler und internationaler Normen« angekündigt. (bb)